Was darf der Betriebsprüfer und was nicht?

was-darf-BetriebsprueferPlötzlich steht der Betriebsprüfer vor der Tür – da rutscht wohl jedem Unternehmer das Herz in die Hose. Was ist jetzt zu tun und was darf der Betriebsprüfer überhaupt? Welche Pflichten Sie haben und was der Betriebsprüfer nicht darf, lesen Sie in diesem Artikel.

Als Erstes stellt sich natürlich die Frage: Wer muss überhaupt mit einer Betriebsprüfung rechnen? Natürlich nur Unternehmen – könnte man meinen. Allerdings müssen auch sogenannte Einkommensmillionäre mit einer Betriebsprüfung rechnen.

Tatsächlich ist nämlich die Bezeichnung Betriebsprüfung nicht ganz richtig. In der Amtssprache heißt die Betriebsprüfung Außenprüfung.

1. Muss sich der Betriebsprüfer anmelden?

Eine Betriebsprüfung muss das Finanzamt ankündigen. Der Unternehmer, der geprüft werden soll, erhält eine Prüfungsanordnung.
Diese Prüfungsanordnung sollte genau gelesen werden. Denn dort steht drin, wann die Prüfung stattfinden wird und vor allem, was geprüft werden soll. Häufig werden nämlich nur einzelne Steuerarten (z.B. die Einkommensteuer) geprüft. Auch die Jahre, die geprüft werden sollen, sind angegeben.

2. Muss ich den Betriebsprüfer überhaupt reinlassen?

In der Prüfungsanordnung steht auch der Ort, an dem die Prüfung stattfinden soll. Typischerweise findet die Prüfung direkt in Ihrem Unternehmen statt. Sie müssen dem Betriebsprüfer einen Schreibtisch und einen Stuhl zur Verfügung stellen, damit er die Betriebsprüfung ordentlich durchführen kann. Auch der Raum muss zumutbar für den Prüfer sein. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie ihm ein schönes und voll ausgestattetes Büro zur Verfügung stellen müssen.

Seine Arbeitsmaterialien muss der Betriebsprüfer natürlich selbst mitbringen. Einen PC, Drucker oder ein Kopiergerät müssen Sie nicht bereitstellen.

Tipp: Stellen Sie dem Prüfer einen Raum zur Verfügung, in dem er nicht in den betrieblichen Ablauf Einsicht hat. Es sollte möglichst ein separater Raum sein, in dem keine weiteren Mitarbeiter Ihres Unternehmens arbeiten.

Der Betriebsprüfer darf sich in Ihrem gesamten Unternehmen umschauen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Er darf Sie und sogar Ihre Mitarbeiter befragen. Sie und Ihre Mitarbeiter müssen Auskunft geben.
Nur wenn gegen Sie wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird, brauchen Sie keine Angaben zu machen. Denn Sie müssen sich nicht selbst überführen.

Sie müssen für den Prüfer auch nicht extra einen Schreibtisch und Stuhl kaufen, wenn Sie keinen haben. Ist es nämlich nicht möglich, dass in Ihrem Unternehmen eine Betriebsprüfung stattfindet, wird der Betriebsprüfer die Prüfung vom Finanzamt aus durchführen oder sie zu Ihrem Steuerberater verlegen. Umschauen wird er sich aber trotzdem in Ihrem Unternehmen.

Ihre private Wohnung darf der Prüfer übrigens nicht betreten.

Tipp: Haben Sie die Prüfungsanordnung erhalten, teilen Sie dem Prüfer sofort mit, wenn eine Prüfung nicht in Ihrem Unternehmen stattfinden kann, weil Sie keine geeigneten Räume haben.

3. Nicht mehr rausgeben, als verlangt wird

Wenn Sie geprüft werden, müssen Sie dem Betriebsprüfer natürlich Unterlagen zur Verfügung stellen. Achtung: Geben Sie ihm alle Unterlagen ihres Betriebs unaufgefordert heraus, könnte er auf weitere Fehler stoßen, die mit der eigentlichen Prüfung nicht aufgefallen wären.

Tipp: Geben Sie immer nur die Unterlagen raus, die der Betriebsprüfer anfordert.

Findet der Prüfer nämlich etwas, kann er jederzeit den Prüfungszeitraum erweitern. Das bedeutet: Er kann auch andere Jahre prüfen, obwohl diese nicht im Prüfungsbescheid angegeben waren. Allerdings muss er Ihnen sofort mitteilen, wenn er den Verdacht der Steuerhinterziehung hat.

4. Wie kann ich mich gegen eine Betriebsprüfung wehren?

Erhalten Sie einen Außenprüfungsbescheid, prüfen Sie diesen ganz genau. Sind Sie mit der Prüfungsanordnung nicht einverstanden, können Sie dagegen Einspruch einlegen. Dann überprüft das Finanzamt den Außenprüfungsbescheid noch einmal. Allerdings ergibt es keinen Sinn, einfach nur so Einspruch einzulegen. Sie brauchen auch einen guten Grund, warum die Außenprüfung nicht durchgeführt werden darf. Im Normalfall wird es hier schwierig. Begründungen wie: „Es ist unfair, mich zu prüfen.“ oder „Ich habe dafür keine Zeit.“, reichen selbstverständlich nicht aus.

Sind Fehler in der Prüfungsanordnung enthalten, ist das natürlich ein Grund, Einspruch einzulegen. Das Finanzamt wird dann einfach eine neue Prüfungsanordnung erlassen.

Wenn Sie gegen eine Prüfungsanordnung Einspruch einlegen, müssen Sie immer auch eine Aussetzung der Vollziehung (AdV) beantragen. Legen Sie nämlich keine AdV ein, wird der Betriebsprüfer die Betriebsprüfung trotz Ihres Einspruchs durchführen.

In vielen Fällen werden Betriebsprüfungen durch die Unternehmer selbst ausgelöst. Hier haben wir die 4 größten Fehler erläutert, die Sie vermeiden sollten.

 

 

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Andreas Reichert

Steuerberater und Vorstand bei felix1.de
Als ehemaliger Softwareentwickler verbinde ich Steuerrecht, IT und Projektmanagement. Ich bin erst zufrieden, wenn komplizierte Dinge so sehr vereinfacht wurden, dass sie jedes Kind versteht.
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