Wann braucht ein Unternehmer eine Freistellungsbescheinigung?

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Bauleistungen und das Steuerrecht – das wirft immer wieder Fragen auf.  Eine der vielen Besonderheiten ist die Freistellungsbescheinigung. Wer diese benötigt und wo Sie diese beantragen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Bauleistungen zwischen Unternehmern

Beauftragt ein Unternehmer (Bauherr) einen Bauunternehmer, fällt regelmäßig Bauabzugsteuer an. Der Bauherr muss die Bauabzugsteuer von 15 % einbehalten und an das Finanzamt abführen.

Unternehmer-Freistellungsbescheinigung

Das gilt im Übrigen für jeden Unternehmer, der eine Bauleistung erhält. Dieser doch sehr bürokratische Vorgang kann durch eine Freistellungsbescheinigung umgangen werden. Als Bauleistung wird jede Leistung angesehen, die eine Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung oder Änderung von Bauwerken ist. Auch wenn ein Gebäude vollständig oder teilweise beseitigt wird, zählt das zu den Bauleistungen, für die diese Steuer einbehalten werden muss.

Freistellungsbescheinigung beantragen

Beim Finanzamt kann der Bauunternehmer eine Freistellungsbescheinigung beantragen. Das geht immer dann, wenn das Finanzamt keinen Zweifel daran hat, dass der Bauunternehmer seine Steuern zuverlässig zahlen wird.

Wurde dem Bauunternehmer die Freistellungsbescheinigung erteilt, legt er diese dem Leistungsempfänger vor. Der Leistungsempfänger zahlt dann wie gewohnt den gesamten Rechnungsbetrag.

Eine Freistellungsbescheinigung wird für höchstens 3 Jahre erteilt. Danach muss ein neuer Antrag gestellt werden.

Das Finanzamt kann auch für einzelne Aufträge des Bauunternehmens eine Bescheinigung erteilen, die dann nur für diesen Bauauftrag verwendet werden kann.

Anmeldung der Bauabzugsteuer

Liegt keine Freistellungsbescheinigung vor, muss der Leistungsempfänger die Bauabzugsteuer bis zum 10. des Folgemonats anmelden, in dem die Bezahlung erfolgte. Zeitgleich ist der einbehaltene Betrag an das Finanzamt zu überweisen.

Der Bauunternehmer erhält vom Auftraggeber einer Bescheinigung, dass die Bauabzugsteuer einbehalten wurde. Das kann ein formloses Schreiben sein oder eine Kopie der Steueranmeldung. Das Finanzamt rechnet dann dem Bauunternehmer die gezahlte Steuer an.

Die Bauabzugsteuer kann nicht auf die Umsatzsteuervorauszahlung angerechnet werden. Die Anrechnung erfolgt auf:

1. vorausbezahlte Lohnsteuern

2. vorauszuzahlende Einkommen und Körperschaftsteuern
3. Einkommen und Körperschafsteuer am Jahresende
4. selbst vom Bauunternehmer zu zahlende Bauabzugsteuer.

Prüfen der Freistellungsbescheinigung

Die Gültigkeit einer Freistellungsbescheinigung lässt sich per Internet prüfen. Ist diese Prüfung negativ, muss der Auftraggeber die Bauabzugsteuer einbehalten und abführen.

Ausnahmen zur Bauabzugsteuer

Die Bauabzugsteuer muss nicht einbehalten werden, wenn im Kalenderjahr nicht mehr als 5.000 Euro an diesen Bauunternehmer gezahlt werden wird. Für Vermieter, die umsatzsteuerfrei vermieten, liegt die Grenze jährlich bei sogar 15.000 Euro.

Tipp: Beantragen Sie als Bauunternehmer immer diese Bescheinigung und geben eine Kopie an den Auftraggeber. So kommen Sie schneller an Ihr Geld.

 

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Andreas Reichert

Steuerberater und Vorstand bei felix1.de
Als ehemaliger Softwareentwickler verbinde ich Steuerrecht, IT und Projektmanagement. Ich bin erst zufrieden, wenn komplizierte Dinge so sehr vereinfacht wurden, dass sie jedes Kind versteht.
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