Steuerklasse wechseln – wann lohnt es sich?

Ehegatten dürfen zwischen verschiedenen Steuerklassen wählen, um während des Jahres möglichst wenig Lohnsteuer zahlen zu müssen. Zur Wahl stehen die Kombinationen IV/IV, III/V und IV/IV mit Faktor. Bevor Sie sich für eine davon entscheiden, sollten Sie jedoch alle finanziellen Auswirkungen bedenken. Denn nicht immer ist die steuerlich günstigste Steuerklasse auch die richtige für Sie.

Keine schlaflosen Nächte

Wichtig zu wissen ist zuallererst: Egal, welche Steuerklasse Sie während des Jahres wählen – an Ihrer Steuerschuld am Ende des Jahres ändert sich dadurch nichts. Die Wahl der Steuerklasse entscheidet also letztendlich nur darüber, wann Sie Ihre Steuern an das Finanzamt zahlen. Die richtige Steuerklassenkombination sollte Ihnen deshalb keine schlaflosen Nächte bereiten.

Wovon hängt die Höhe der Lohnsteuer ab?

Wie hoch die Lohnsteuer ist, hängt z.B. davon ab, ob Sie ledig oder verheiratet oder ob Sie als Arbeitnehmer oder Selbstständiger tätig sind. Ein lediger Arbeitnehmer landet automatisch in Steuerklasse I. Ist nur ein Ehepartner Arbeitnehmer und der andere zum Beispiel Freiberufler oder gewerblicher Unternehmer, gilt für den Arbeitnehmer-Ehegatten die Steuerklasse III, sofern der andere auf Antrag Steuerklasse V hat.

Das volle Wahlrecht haben Sie nur, wenn beide Ehepartner Arbeitnehmer sind. Dann gilt es, schon während des Jahres möglichst nur die Lohnsteuer zu zahlen, die Ihrer Steuerschuld am Ende des Jahres entspricht. Oder geht es Ihnen nur darum, keine Steuern nachzahlen zu müssen? Auch dafür gibt es eine Lösung.

Praxistipp: Stellen Sie am Ende des Jahres fest, dass Sie zu viel Lohnsteuer bezahlt haben, ist das nicht schlimm. Mit der Abgabe einer Einkommensteuererklärung holen Sie sich Ihr Geld vom Finanzamt zurück.

Wenn Sie am Ende des Jahres keine Steuern nachzahlen wollen

Das erreichen Sie mit der Kombination der Steuerklassen IV/IV. Diese sollten Sie wählen, wenn Sie und Ihr Ehepartner ungefähr gleich viel verdienen.

Beispiel 1: Ehepartner A verdient monatlich 2.600 Euro brutto, Ehepartner B 2.500 Euro*. Mit der Kombination IV/IV zahlt A eine Lohnsteuer von 323 Euro, B 298,91 Euro, also insgesamt 621,91 Euro. Würden sie die Steuerklassen III/V wählen, müssten sie insgesamt 668 Euro zahlen (A 95 Euro, B 573 Euro). Die Steuerklassen IV/IV sind hier also günstiger.

Praxistipp: Die Ehepartner werden bei IV/IV so besteuert wie ledige Arbeitnehmer. Um von dem günstigen Splittingtarif zu profitieren, sollten Sie deshalb eine Einkommensteuererklärung abgeben. Dadurch erhalten Sie in den allermeisten Fällen eine Steuererstattung.

* Annahmen für alle Beispiele: Geburtsjahr 1973, keine Kirchensteuer, kein Zuschlag zur Pflegeversicherung, kein Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung.

Wenn ein Ehepartner deutlich mehr als der andere verdient

Hier wählen die meisten Ehepaare die Steuerklassenkombination III/V. Denn damit sind die steuerlichen Abzüge bei dem Ehegatten mit den höheren Einkünften sehr gering und das Netto fällt deutlich höher aus als bei Steuerklasse IV.

Beispiel 2: Ehepartner A verdient monatlich 4.000 Euro brutto, B 1.500 Euro. Mit der Kombination III/V zahlt A eine Lohnsteuer von 390,83 Euro, B 234,41 Euro. Das sind insgesamt 625,24 Euro. Zum Vergleich: Bei IV/IV müsste das Ehepaar 770,24 Euro monatlich Lohnsteuer zahlen (A 698,91, B 71,33).

Die III/V-Kombination hat allerdings auch Nachteile: So sind Sie verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben und müssen mit einer Steuernachzahlung rechnen. Das kann insbesondere dann passieren, wenn die Gehälter des Ehepaares sehr weit auseinander liegen. Fällt die Nachzahlung sehr hoch aus, kann das Finanzamt darüber hinaus Einkommensteuer-Vorauszahlungen festsetzen. Diese zahlen Sie zusätzlich zu Ihrer Lohnsteuer – und damit ist der vermeintliche Vorteil von III/V meist dahin.

Wenn Sie die Lohnsteuer möglichst genau berechnen wollen

Bei der Steuerklassenkombination IV/IV besteht die Gefahr, dass zu viel Lohnsteuer einbehalten wird, bei III/V ist der Abzug beim geringverdienenden Ehepartner unverhältnismäßig hoch. Eine genauere Berechnung bietet die Kombination IV/IV mit Faktor.

Mit dem Faktorverfahren erreichen Sie, dass sich das Ehegattensplitting schon während des Jahres auf den Steuerabzug auswirkt. Der Faktor wird auf Ihren Antrag hin vom Finanzamt anhand des voraussichtlichen Jahresarbeitslohns berechnet und beim Lohnsteuerabzug steuermindernd berücksichtigt.

Beispiel 3: A verdient im Jahr 2019 voraussichtlich 48.000 Euro, B 18.000 Euro. Aus der voraussichtlichen Einkommensteuerschuld und der Lohnsteuer (hier wird die Kombination IV/IV zugrunde gelegt) errechnet das Finanzamt einen Faktor von 0,922. A zahlt eine monatliche Lohnsteuer von 644,33 Euro, B 65,75 Euro, insgesamt 710,08 Euro.

Hierzu der Lohnsteuervergleich:

Lohnsteuer nach Steuerklassen A (48.000 Euro) B (18.000 Euro) Summe Differenz zur Einkommensteuer
III/V 4.690 Euro 2.813 Euro 7.503 Euro -1.025 Euro
V/III 13.197 Euro 0 Euro 13.197 Euro 4.669 Euro
IV/IV (ohne Faktor) 8.387 Euro 856 Euro 9.243 Euro 715 Euro
IV/IV (inkl. Faktor 7.732 Euro 789 Euro 8.521 Euro -7 Euro

Während A und B bei der Kombination III/V ca. 1.025 Euro nachzahlen müssten und bei IV/IV 715 Euro erstattet bekämen, liegt der Nachzahlungsbetrag bei IV/IV mit Faktor bei gerade einmal 7 Euro.

Die Faktorberechnung und den Lohnsteuervergleich können Sie übrigens selber ganz einfach mit dem Steuerrechner des Bundesfinanzministeriums vornehmen.

Praxistipp: Das Faktorverfahren klingt verlockend, kann aber auch schnell ungenau werden. Und zwar dann, wenn es unvorhergesehene Einnahmen gibt, zum Beispiel eine erstmalig vergebene Prämie oder eine üppige Gehaltserhöhung. Dann könnte es am Ende doch zu einer höheren Nachzahlung kommen.

Wenn Sie Eltern werden, Arbeitslosigkeit droht oder Sie länger krank sind: Steuerklasse prüfen

Bei der Wahl der Steuerklasse sollten Sie bedenken: Elterngeld, Arbeitslosengeld, Krankengeld und viele andere Lohnersatzleistungen berechnen sich nach dem Nettoeinkommen. Dementsprechend sollten Sie und Ihr Ehepartner prüfen, ob ein Steuerklassenwechsel höhere Leistungen bringt. Beachten Sie dabei auch eventuelle Stichtage und Bemessungszeiträume.

Für das Arbeitslosengeld zählen der Verdienst der letzten zwölf Monate und grundsätzlich die Steuerklasse, die zu Beginn des Jahres eingetragen war. Planen die Eheleute Nachwuchs, hängt das Elterngeld grundsätzlich vom Nettoeinkommen der letzten zwölf Monate vor der Geburt ab. Hier wird die Steuerklasse zugrunde gelegt, die während dieses Bemessungszeitraums überwiegend gegolten hat.

Fazit

Wie gesagt sollte Ihnen die Lohnsteuerklassenwahl keine unnötigen Sorgen machen. Denn Ihre Steuerschuld bleibt gleich. Hängen jedoch von Ihrem Nettogehalt Lohnersatzleistungen wie Elterngeld oder Arbeitslosengeld ab, sollten Sie die Steuerklassen frühzeitig so wählen, dass diese Leistungen möglichst hoch ausfallen.

Beachten Sie dabei: Die Steuerklasse dürfen Sie nur einmal pro Jahr wechseln.