Steuererklärung elektronisch abgeben – und wenn nicht?

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Die Digitalisierung nimmt unaufhaltsam Einzug. Mittlerweile ist es für die meisten nicht nur möglich, sondern Pflicht, dass sie die Steuererklärung elektronisch abgeben. Wen aber betrifft das genau? Und was kann eigentlich passieren, wenn der trotzige Steuerpflichtige die Steuererklärung einfach in Papierform abgibt?

Wer muss die Steuererklärung elektronisch abgeben?

Es ist eigentlich nichts Neues: Bereits seit 2011 müssen viele die Steuererklärung elektronisch abgeben. Konkret betroffen sind:

  • Gewerbetreibende
  • Land- und Forstwirte
  • Selbständige im Nebenerwerbe, die mehr als 410 Euro erzielen.

Damit sind von der Pflicht eigentlich nur Arbeitnehmer und Rentner befreit.

Das gilt bei Photovoltaikanlagen

Was viele nicht wussten: Betroffen ist bereits derjenige, der einen Privathaushalt hat und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat. Voraussetzung: Er nutzt den Strom nicht ausschließlich privat.

Wichtig: Vermischen Sie nicht den umsatzsteuerlichen mit dem ertragssteuerlichen Begriff des Unternehmers. Lesen Sie zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Photovoltaikanlage unseren Artikel „Steuerliche Behandlung von Photovoltaikanlagen“.

Schluss mit lustig in Rheinland-Pfalz

Neu ist dagegen, dass die Finanzverwaltung sich entschieden hat, ab sofort hart durchzugreifen. Laut einer Verfügung des Landesamts für Steuern Rheinland-Pfalz vom 03.05.2016 heißt es ab diesem Jahr im Finanzamt:  Die Steuererklärung wird konsequent abgelehnt. Frei nach dem Motto „Steuererklärung in Papierform = keine Steuererklärung!“.

Die Folge: Wer keine Entschuldigung hat – sprich: wenn kein Härtefall vorliegt – bei dem wird die Erklärung als nicht abgegeben gewertet. Ein Härtefall liegt nur vor, wenn die Anschaffung eines PC´s mit Internetanschluss finanziell nicht zumutbar ist oder die technischen Kenntnisse zum Umgang mi t dem PC nicht vorhanden sind.

Wer sich dagegen weigert die Erklärung abzugeben, weil er Sicherheitsbedenken hat und die befürchtet, dass die NSA alles mitliest, wird nicht von der Verpflichtung zur elektronischen Abgabe befreit. Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel „Steuererklärung abgeben per USB-Stick?“.

Es droht ein Verspätungszuschlag

Was aber ist die Folge, wenn die Erklärung als nicht abgegeben gewertet wird? Die Finanzbeamten lassen nicht mit sich spaßen und kündigen an, Verspätungszuschläge zu erheben. Und dann kann es teuer werden: Der Verspätungszuschlag kann bis zu 10% der festgesetzten Steuer betragen. Erhoben wird er nach Ablauf der Abgabefrist (31.5. des Folgejahres).

Und sollten die aktuellen Pläne des Bundestages zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens durchgehen, bedeutet das: Mindestens 25 Euro Verspätungszuschlag pro Monat. Allerdings wird nach diesen Plänen auch die Abgabefrist nach hinten verschoben: Die Abgabefrist endet dann erst am 31.7. des Folgejahres.

Fazit: Auch wenn nicht sicher ist, ob das Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens nun in dieser Form verabschiedet wird, ist klar: Wer seinen Finanzbeamten ärgern will und sich gegen „Steuererklärung elektronisch abgeben“ entscheidet, der begibt sich auf dünnes Eis – ein schlecht gelaunter Finanzbeamter wird Ihnen mit Freude einen Verspätungszuschlag aufdrücken.

 

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Annika Haucke

Rechtsanwältin bei felix1.de
Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.
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Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.