So fördern Sie die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter – und sparen auch noch Steuern!

Gesunde Mitarbeiter mit Dienstfahrrad in ihrem BüroDie Mitarbeiter sind das Grundgerüst eines jeden Unternehmens, ohne sie geht gar nichts. Deshalb sollten Chefs nicht nur dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter motiviert sind, sondern vor allem, dass sie gesund bleiben. Denn nur gesunde und motivierte Mitarbeiter sind auch leistungsfähig. Gut zu wissen: Betriebliche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung sind pro Jahr und Mitarbeiter bis zu 500 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei. Davon lässt sich so manche Massage oder Rückenschule finanzieren.

Welche Maßnahmen sind steuerlich begünstigt?

Gesundheitsfördernde Maßnahmen gibt es wie Sand am Meer. Aber längst nicht alle sind auch steuerlich begünstigt. Das Gesetz spricht von „Maßnahmen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und der betrieblichen Gesundheitsförderung“. Welche Leistungen, Kurse und Programme im Einzelfall darunter fallen, lässt sich dieser Formulierung leider nicht entnehmen, wohl aber unserer Übersicht:

Maßnahmesteuerlich begünstigt ja/nein
Stressmanagement (Stressvermeidung, Stressbewältigung)ja
Kurse zur Förderung der Entspannung (z. B. autogenes Training, Tai Chi, Hatha Yoga)ja
Kurse zur Tabak-, Alkoholentwöhnungja
Suchtpräventionja
Ernährungskurse, Ernährungsberatungja
reine Koch- und Backkursenein
Behandlung psychischer Essstörungennein
Walkingja
verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme (z. B. Verbesserung von Ausdauer, Kraft, Koordination, Informationen und Anleitungen zu gesundheitsfördernden Bewegungsabläufen im Alltag insbesondere durch Treppensteigen, Radfahren und Vermeidung längerer Sitzzeiten)ja
Massagen zur Vorbeugung von Nacken- und Rückenschmerzen für Arbeitnehmer mit Computerarbeitsplatzja
Kurse für rückenschonendes Arbeitenja
Sportverein Beiträgenein
Fitnessstudio Beiträgenein
begünstigte Kurse, wenn diese in einem Fitnessstudio stattfinden oder von einem Sportverein angeboten werdenja
Erlernen einer neuen Sportartnein
passive Trainingsmethoden (z. B. Elektrostimulation, Vibrationstraining)nein

Wer es ganz genau wissen will, liest im Leitfaden Prävention nach. Dort finden sich Handlungsfelder und Qualitätskriterien für gesundheitsfördernde Maßnahmen und die betriebliche Gesundheitsförderung, die die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen aufgestellt haben.

Wichtig: Es muss sich um eine zusätzliche Leistung des Arbeitgebers handeln

Die steuerliche Förderung gilt nur für Leistungen des Arbeitgebers, die er zusätzlich zum arbeitsrechtlich geschuldeten Lohn gewährt. Das bedeutet, dass eine Umwandlung von vertraglich vereinbartem Arbeitslohn in einen Zuschuss zu einer gesundheitsfördernden Maßnahme nicht begünstigt ist.

Was aber möglich ist: Wandelt der Arbeitgeber eine freiwillige Zahlung an seine Mitarbeiter um, kann er dafür die steuerliche Förderung beanspruchen.

Was passiert, wenn die 500 Euro überschritten werden?

Der Betrag von 500 Euro ist ein Freibetrag. Das bedeutet: Wird die Grenze überschritten, ist nur der Betrag steuer- und sozialversicherungspflichtig, der über die 500 Euro hinausgeht.

Bis zu dieser Grenze spielt es übrigens keine Rolle, ob die Maßnahme im „überwiegenden betrieblichen Interesse“ des Arbeitgebers liegt – das Finanzamt prüft also nicht, ob dadurch die Einsatzfähigkeit des Arbeitnehmers erhöht werden soll. Handelt es sich um eine begünstigte Leistung, ist sie also ohne Wenn und Aber bis zu 500 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei.

Gewährt der Arbeitgeber Maßnahmen, die mehr als 500 Euro im Jahr kosten, wird für den Betrag, der über 500 Euro hinausgeht, aber wieder geprüft, ob ein überwiegendes betriebliches Interesse des Arbeitgebers vorliegt:

  • Liegt es vor, ist die komplette Maßnahme steuer- und sozialversicherungsfrei.
  • Liegt es nicht vor, müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer für den Betrag, der über die 500 Euro hinausgeht, Steuern und Sozialabgaben zahlen.

Dazu ein aktuelles Beispiel aus der Rechtsprechung: Einige Mitarbeiter nahmen an einer sogenannten Sensibilisierungswoche teil, in der grundlegende Erkenntnisse über einen gesunden Lebensstil vermittelt wurden. Die Kosten betrugen 1.300 Euro pro Teilnehmer, die der Arbeitgeber trug. Die teilnehmenden Mitarbeiter mussten für diese Woche Urlaubstage oder ein Zeitguthaben verwenden. Das Finanzamt behandelte die Zahlungen des Arbeitgebers in Höhe von 500 Euro steuerfrei, da es sich um eine begünstigte Maßnahme der betrieblichen Gesundheitsförderung handelte. Für den Restbetrag von 800 Euro setzte es allerdings Lohnsteuer fest. Das Finanzgericht folgte dem Finanzamt mit diesen Argumenten:

  • Die Teilnahme an der Sensibilisierungswoche stellte eine gesundheitspräventive Maßnahme dar, die keinen Bezug zu berufsspezifisch bedingten gesundheitlichen Beeinträchtigungen hatte.
  • Diese allgemeine Gesundheitsvorsorge lag vor allem im Interesse der Mitarbeiter.
  • Ein überwiegendes betriebliches Interesse des Arbeitgebers sah das Gericht nicht, da die Maßnahme zum einen freiwillig war, zum anderen weil die Arbeitnehmer eigenen Urlaub oder Zeitguthaben einsetzen mussten (Finanzgericht Düsseldorf, Urteil vom 26.1.2017, 9 K 3682/15 L).

3 wertvolle Tipps für Arbeitgeber

  1. Zusätzlich zu dem 500-Euro-Freibetrag für gesundheitsfördernde Maßnahmen darf der Arbeitgeber die Freigrenze für Sachbezüge von monatlich 44 Euro in Anspruch nehmen, zum Beispiel für Benzin- oder Einkaufsgutscheine.
  2. Zu den begünstigten Sachbezügen zählen auch Gutscheine des Arbeitgebers für den Besuch eines Fitnessstudios. Voraussetzung ist allerdings, dass entweder der Arbeitgeber Vertragspartner des Fitnessstudios ist oder er dem Mitarbeiter einen Gutschein über maximal 44 Euro für den Besuch des Fitnessstudios überreicht. Ist dagegen der Mitarbeiter der Vertragspartner und erstattet der Arbeitgeber die Mitgliedsbeiträge, liegt kein begünstigter Sachbezug, sondern steuerpflichtiger Arbeitslohn vor.
  3. Die gesundheitsfördernde Maßnahme muss nicht unbedingt im Betrieb des Arbeitgebers stattfinden – das könnten gerade kleinere Unternehmen ja gar nicht leisten. Deshalb kann der Arbeitgeber einen Zuschuss zu einer begünstigten Maßnahme auch dann steuerfrei gewähren, wenn diese in einem Fitnessstudio stattfindet oder von einem Sportverein angeboten wird.

Im Trend: Diensträder statt Dienstwagen

Abschließend noch ein weiterer Tipp für gesundheitsbewusste Arbeitgeber: Stellen Sie Ihren Mitarbeitern doch Diensträder zur Verfügung. Das zählt zwar nicht als gesundheitsfördernde Maßnahme und ist damit nicht von dem 500-Euro-Freibetrag umfasst. Aber der geldwerte Vorteil eines Dienstrads kann wie bei einem Dienstwagen ganz einfach mit der 1 %-Regelung ermittelt werden: Versteuert wird monatlich 1 % des Listenpreises des Fahrrads.

Und das Beste: Die Fahrten zur Arbeit müssen nicht extra versteuert werden – ganz im Gegensatz zum Dienstwagen!

Christian Redinger

Christian Redinger

Steuerberater bei felix1.de
Christian Redinger ist Steuerberater bei der felix1.de-Niederlassung in Weingarten.
Christian Redinger

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