Nutzen Sie den Steuervorteil beim Leasing

nutzen-sie-steuervorteil-leasingKleine Betriebe und Freiberufler können Steuern sparen, wenn sie ihren nächsten Firmenwagen leasen statt kaufen. Vor allem die Leasingsonderzahlung drückt die Steuerlast, vorausgesetzt, der Steuerpflichtige hält alle Formalien ein. Wir verraten, wie das geht.

Wer einen Firmenwagen kauft, kann ihn steuerlich über mehrere Jahre abschreiben und die Zinsen für das Kfz-Darlehen von der Steuer absetzen. Das war´s dann aber auch schon. Die Kreditraten etwa kann der Unternehmer nicht steuerlich geltend machen. Wer dagegen ein Auto least, hat wesentlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Und er schont obendrein die Eigenkapitalquote des Betriebs. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel „Eigenkapitalquote: So bleiben Sie für Geldgeber attraktiv“. Leasing gilt dabei als bilanzneutral, weil der Unternehmer kein Kapital für die Anschaffung des Wirtschaftsgutes aufnimmt.

Leasingraten und Sonderzahlung absetzen

Im Unterschied zur Kreditrate kann der Unternehmer die Leasingrate voll von der Steuer absetzen. Darüber hinaus kann er eine Leasingsonderzahlung vereinbaren, die sich im Jahr der Zahlung als Betriebsausgabe unmittelbar gewinnmindernd auswirkt. Vorteil: Der Unternehmer zahlt im Jahr der Anschaffung weniger Steuern und kann die Steuerlast so auf spätere Jahre verschieben.

Unternehmer müssen aber darauf achten, dass die Vertragslaufzeit nicht mehr als fünf Jahre beträgt. Sonst würde hiervon abweichend eine gleichmäßige Verteilung der Sonderzahlung auf die betroffenen Jahre erfolgen. Und Betriebe, die bilanzieren, müssen die Leasingsonderzahlung ohnehin über die gesamte Leasingzeit verteilen. Ein unmittelbarer Abzug im Jahr der Zahlung schließt das Gesetz für sie aus.

Risiko der rückwirkenden Kürzung

Bei der Leasingsonderzahlung gibt es allerdings einen Haken: Der Steuervorteil kann nachträglich vom Finanzamt wieder einkassiert werden, wenn die betriebliche Nutzung des Firmenwagens unter die 10-Prozent-Grenze fällt. Dann geht der Fiskus davon aus, dass das Fahrzeug reines Privatvergnügen ist. Fährt der Unternehmer gleichwohl noch betrieblich mit dem Auto, darf er nur noch pauschal 30 Cent für jeden gefahrenen Kilometer als Betriebsausgabe abziehen. Er muss die gefahrenen Kilometer aber nachweisen.

Nutzungsanteil über die gesamte Leasingzeit kontrollieren

Konsequenz: Unternehmer tun also gut daran, den betrieblichen Nutzungsanteil des Firmenwagens zu kontrollieren und zum Beispiel über ein Fahrtenbuch gegenüber dem Finanzamt nachzuweisen. Wichtig: Für den vollen Ausgabenabzug muss der Pkw sowohl im Jahr der Sonderzahlung als auch während des gesamten Leasingzeitraums betrieblich genutzt werden. Ansonsten fällt der Steuervorteil später wieder weg.

Fiskus setzt nachträglich den Rotstift an

Das zeigt dieses Beispiel: Fliesenleger Herrmann least im Dezember 2016 einen Pkw mit einer Laufzeit von 48 Monaten.

Monat Gewinn vor Abzug der Leasingsonderzahlung Betriebsausgaben Gewinn nach Abzug der Leasingsonderzahlung
Dezember 2016 80.000 Euro 35.000 Euro Leasingsonderzahlung 45.000 Euro

Wider Erwarten nutzt er diesen im Januar 2019 zu weniger als 10 % betrieblich. Folge: Das Finanzamt kürzt den anteiligen Betriebsausgabenabzug im Jahr 2016 rückwirkend, da der Wagen nur 25 Monate betrieblich genutzt wurde:

Private Nutzung: 23 Monate: 23/48 von 35.000 Euro = 16.771 Euro

Monat Gewinn vor Korrektur Verminderung der Betriebsausgaben Gewinn nach Abzug der Leasingsonderzahlung
Korrektur für Dezember 2016 80.000 Euro um 16.771 Euro 61.771 Euro

Bei einem Steuersatz von 35 % muss Herrmann also folgende Nachzahlung leisten:

Steuern vor Korrektur 35 % von 45.000 Euro = 15.750 Euro
Steuern nach Korrektur 35% von 61.620 Euro = 21.620 Euro
Nachzahlung zuzüglich Zinsen 21.620 Euro minus 15.750 Euro = 5.870 Euro

Fazit

Autos zu leasen hat für den Unternehmer erhebliche Vorteile gegenüber der Finanzierung. Das zeigt sich auf den ersten Blick:

  1. So steht ihm beim Leasing stets das neueste Fahrzeugmodell zur Verfügung,
  2. die Leasingraten sind steuerlich absetzbar und
  3. das Leasinggut ist bilanzneutral, senkt also nicht die Eigenkapitalquote.
  4. Die Kosten während der Nutzung stabil.

Nachteilig kann es sich allerdings auswirken, dass Leasing

  1. meist teurer ist als ein Kredit,
  2. Garantie und Gewährleistung komplizierter sind und
  3. der Vertrag für den Leasingnehmer so gut wie unkündbar ist – ein echter Fixkostenblock also.

Außerdem muss der Leasingnehmer die Nutzungsintensität im Betrieb über die Vertragslaufzeit im Auge behalten. Dabei gilt folgende Regel:

Nutzung im Betrieb   Vermögenszuordnung
weniger als 10 Prozent Privatvermögen
10 bis 50 Prozent gewillkürtes Betriebsvermögen
mehr als 50 Prozent Betriebsvermögen

 Erläuterung: Beim gewillkürten Betriebsvermögen entscheidet der Firmeninhaber selbst, ob er den Wagen als Firmenfahrzeug von der Steuer absetzen will. Dann listet er das Fahrzeug einfach nur im Anlageverzeichnis auf.

Firmeninhaber oder Freiberufler, die kurz davorstehen, einen entsprechenden Leasingvertrag abzuschließen, sollten diesen vor der Unterschrift von einem Steuerberater prüfen lassen, um Steuerfallen zu vermeiden.

Avatar for Andreas Reichert

Andreas Reichert

Steuerberater und Vorstand bei felix1.de
Als ehemaliger Softwareentwickler verbinde ich Steuerrecht, IT und Projektmanagement. Ich bin erst zufrieden, wenn komplizierte Dinge so sehr vereinfacht wurden, dass sie jedes Kind versteht.
Avatar for Andreas Reichert
Avatar for Andreas Reichert

Veröffentlicht von

Als ehemaliger Softwareentwickler verbinde ich Steuerrecht, IT und Projektmanagement. Ich bin erst zufrieden, wenn komplizierte Dinge so sehr vereinfacht wurden, dass sie jedes Kind versteht.