Mit dem Arbeitszimmer im Eigenheim Steuern sparen

Wer ein Arbeitszimmer in den eigenen vier Wänden für seine berufliche Tätigkeit nutzt – sei es als angestellter Lehrer oder Software-Entwickler, als selbstständiger Lektor oder Vermögensberater – möchte die dafür entstehenden Kosten natürlich gerne in der Steuererklärung als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben unterbringen. Das klappt auch, wenn Sie ein paar Grundregeln und unsere Gestaltungstipps beachten.

1. Regel: Suchen Sie sich einen geeigneten Platz zum Arbeiten

Das Arbeitszimmer muss sich in einem abgetrennten Raum befinden. Nicht akzeptiert wird eine Arbeitsecke im Wohnzimmer oder Schlafzimmer, ein Arbeitsplatz auf einer Empore oder offenen Galerie, ein Arbeitszimmer in einem stark genutzten Durchgangszimmer, ein Arbeitszimmer in einem Zimmer mit offener Bauweise ohne Tür oder ein Arbeitsplatz, der nur durch ein Sideboard vom übrigen Zimmer abgetrennt ist.

2. Regel: Nutzen Sie das Arbeitszimmer fast ausschließlich beruflich

Hier gilt es, beruflich und privat strikt zu trennen. Denn nur, wenn das Arbeitszimmer so gut wie ausschließlich für die berufliche Tätigkeit genutzt wird, sind die Kosten abzugsfähig. Eine Aufteilung nach privater und beruflicher Nutzung ist nicht erlaubt.

Spielzeug der Kinder, die Bügelwäsche, privates Werkzeug oder ein Gästebett gehören nicht in ein Arbeitszimmer – schon gar nicht, wenn Sie es steuerlich absetzen wollen.

3. Regel: Achten Sie auf die Abzugsbeschränkungen

Ein Arbeitszimmer in Ihrem selbst bewohnten Eigenheim ist immer „häuslich“, egal, ob es sich im Keller, im Erdgeschoss oder unter dem Dach befindet – und deshalb gelten bestimmte Abzugsbeschränkungen: Sie sind nur dann berechtigt, Ihre Arbeitszimmerkosten in der Steuererklärung anzusetzen, wenn Sie keinen anderen Arbeitsplatz als das häusliche Arbeitszimmer haben oder das Arbeitszimmer der Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit ist. Im ersten Fall ist der Abzug auf 1.250 Euro begrenzt, im zweiten Fall werden die Kosten nicht gedeckelt.

Beispiel 1: Ein Lehrer nutzt ein häusliches Arbeitszimmer für die Unterrichtsvorbereitung und für Korrekturarbeiten. Das Klassen- und das Lehrerzimmer stellen keinen anderen Arbeitsplatz dar, sodass der Lehrer die Arbeitszimmerkosten bis zu 1.250 Euro absetzen kann.

Beispiel 2: Ein Vermögensberater arbeitet ausschließlich von zu Hause aus. Ob sich in dem häuslichen Arbeitszimmer der Mittelpunkt seiner gesamten beruflichen Tätigkeit befindet, hängt davon ab, wo der qualitative Schwerpunkt seiner Arbeit liegt. Betreut er seine Kunden ausschließlich von zu Hause aus und sucht er sie nur im Einzelfall auf, ist das Arbeitszimmer der Mittelpunkt. Verkauft er seine Produkte im Außendienst und bereitet er im Arbeitszimmer nur die Kundenbesuche vor, stellt das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt dar. Denn der qualitative Schwerpunkt der Arbeit liegt im Außendienst.

Welche Kosten Sie in welcher Höhe absetzen können

Als Eigenheimbesitzer können Sie alle Kosten steuerlich geltend machen, die rund um das Arbeitszimmer entstehen: Von der Gebäudeabschreibung über Schuldzinsen, Notarkosten, Renovierungskosten, Gebühren für das Grundbuchamt, Strom, Heizung, Wasser, Müllabfuhr, Gebäudereinigung, bis hin zu Gebäudeversicherungen und der Grundsteuer – und noch vieles mehr kommt hier infrage. Diese Aufwendungen, die für das ganze Gebäude anfallen, können Sie anteilig absetzen. Dazu rechnen Sie sich aus, welchen Anteil das Arbeitszimmer an der Gesamtwohnfläche hat.

Beispiel: V bewohnt ein Einfamilienhaus mit einer Gesamtwohnfläche von 170 qm. Das Arbeitszimmer hat eine Fläche von 14,03 qm. Das entspricht einem Anteil von 8,26 %. Für das Haus fallen für Gas, Grundsteuer, Hausratversicherung, Gebäudeversicherung, Strom, Müllabfuhr, Wasser und Abwasser jährlich Kosten von insgesamt 4.305,05 Euro an. Davon kann V 8,26 %, also 355,60 Euro geltend machen. V hatte das Haus im Jahr 2014 gekauft, die Anschaffungskosten ohne Grund und Boden lagen bei 357.412,10 Euro. Die Abschreibung beträgt 2 % pro Jahr, also 7.148,24 Euro. Von diesem Betrag entfallen 8,26 %, das sind 590,44 Euro, auf das Arbeitszimmer.

Zu 100 % können Sie die Aufwendungen ansetzen, die Sie nur für das Arbeitszimmer tätigen. Das gilt zum Beispiel für die Ausstattung (Teppich, Gardinen, Lampen) oder für Arbeitsmittel, die sich im Arbeitszimmer befinden (Schreibtisch, Stuhl, PC, Regale usw.).

Gestaltungstipps für Miteigentümer

Sind beide Ehepartner Eigentümer des Hauses, nutzt aber nur einer das Arbeitszimmer für seine berufliche Tätigkeit, müssen die Abschreibung und die anderen grundstücksbezogenen Kosten entsprechend den Miteigentumsanteilen aufgeteilt werden. Das hat zur Folge, dass die Hälfte dieser Kosten verloren geht.

Praxistipp: In diesem Fall sollten Sie mit dem Ehepartner einen Mietvertrag abschließen, und zwar über den Teil des Raums, der auf den Miteigentumsanteil des Ehegatten entfällt.

Beispiel: V und sein Ehepartner sind zu jeweils 50 % Eigentümer des Hauses. Damit kann V insbesondere die Abschreibung nur zur Hälfte ansetzen, also ½ von 590,44 Euro. Deshalb sollte er über die Hälfte der Arbeitszimmerfläche einen Mietvertrag mit dem Ehepartner abschließen. V könnte dann die monatliche Miete als Betriebsausgabe absetzen. Der Ehepartner muss die Miete zwar versteuern, aber kann wiederum seine anteilige Abschreibung in Anspruch nehmen und damit die Einnahmen mindern.

Die laufenden Nutzungskosten des betrieblich genutzten Raums (Heizung, Strom usw.) müssen nicht aufgeteilt werden, diese darf der Miteigentümer in voller Höhe geltend machen.

Praxistipp: Weitere Gestaltungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer finden Sie in unserem Beitrag „Häusliches Arbeitszimmer: Welche Gestaltungsmodelle gibt es und taugen sie auch für die Praxis?“.

Oliver Schwertle

Oliver Schwertle

Steuerberater bei felix1.de
Oliver Schwertle ist Steuerberater bei der felix1.de-Niederlassung in Nellingen.
Oliver Schwertle

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