Kleinunternehmerregelung: In diesen Fällen lohnt sie sich

Kleinunternehmer ja oder nein

Unternehmer mit geringen Umsätzen haben die Wahl: Kleinunternehmer zu sein, kann bei der Umsatzsteuer Vorteile haben – aber gegenüber der Regelbesteuerung auch Nachteile mit sich bringen. Bevor Sie sich vorschnell für eine Besteuerungsform entscheiden, sollten Sie alle Aspekte abwägen.

Viele Unternehmer, die Umsatzsteuer sparen wollen, machen von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch, ohne groß darüber nachzudenken. Doch das ist nicht immer günstiger.

Wer darf die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen?

Ihr Umsatz entscheidet darüber, ob Sie die Kleinunternehmerregelung für sich nutzen dürfen oder nicht. Sie können Kleinunternehmer sein, wenn

  • der Vorjahresumsatz höchstens 17.500 Euro betrug und
  • der geschätzte Umsatz im laufenden Jahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigt.

Beispiel: Unternehmerin L hatte im Jahr 2018 einen Umsatz von 17.000 Euro. Deshalb kann sie im Jahr 2019 die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Überschreitet sie 2019 die Grenze von 17.500 Euro, führt das erst im Jahr 2020 zum Verlust des Kleinunternehmerstatus.

Für Gründer – die ja keinen Vorjahresumsatz haben – ist die Kleinunternehmerregelung möglich, wenn der voraussichtliche Jahresumsatz nicht über 17.500 Euro liegen wird. Bei einer Gründung im laufenden Jahr wird der voraussichtliche Umsatz auf einen Jahreswert hochgerechnet.

Beispiel: Vermögensberaterin V gründet ihr Unternehmen zum 1.5.2019. Sie rechnet bis Jahresende mit einem Umsatz von 12.000 Euro. Auf das Jahr hochgerechnet beträgt der Jahresumsatz 18.000 Euro (= 12.000 Euro : 8 x 12). Für das Jahr 2019 könnte V also die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch nehmen, weil ihr voraussichtlicher Umsatz über der Grenze von 17.500 Euro liegt.

Besonderheit: Grundsätzlich spielen nur umsatzsteuerpflichtige Entgelte für die Bemessung der Umsatzgrenze eine Rolle. Hiervon gibt es aber Ausnahmen: Im Fall der Vermögensberaterin V sind Provisionen aus Investment- und Bankgeschäften trotzdem bei der Berechnung der Kleinunternehmergrenze zu berücksichtigen.

Umsatz beinhaltet alle innerhalb eines Jahres erzielten Brutto-Einnahmen. Die Umsatzsteuer ist dabei zu berücksichtigen, darf also nicht herausgerechnet werden. Keine Rolle spielt, wie hoch Ihre Ausgaben sind. Wenn Sie der Umsatzgrenze nahe kommen, retten Sie Ihren Status als Kleinunternehmer nur durch das Verschieben von Einnahmen in ein anderes Kalenderjahr.

Beispiel: V hat im Jahr der Gründung Aufwendungen in Höhe von 3.000 Euro. Diese spielen für den Umsatz keine Rolle, deshalb bleibt es bei dem voraussichtlichen Umsatz von 18.000 Euro.

Welche Vor- und Nachteile Sie bedenken sollten

Im Privatkundengeschäft haben Kleinunternehmer Vorteile. Ihre Preise sind Inklusiv-Preise, es muss keine Umsatzsteuer abgeführt werden. Wer auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet, müsste deshalb die Preise erhöhen, um die gleichen Einnahmen zu erzielen.

Beispiel: V könnte als Kleinunternehmer für eine Beratungsleistung zum Beispiel 100 Euro vereinnahmen. Umsatzsteuer muss keine an das Finanzamt abgeführt werden. Verzichtet V auf die Kleinunternehmerstatus, müsste sie, um 100 Euro einzunehmen, 119 Euro verlangen (= 100 Euro + 19 % Umsatzsteuer).

Die Regelbesteuerung bringt zudem einen erheblichen bürokratischen Aufwand mit sich: In Ihren Rechnungen müssen Sie die Umsatzsteuer ausweisen und diese an das Finanzamt abführen. Dazu geben Sie monatlich bzw. vierteljährlich Umsatzsteuer-Voranmeldungen und jährlich eine Umsatzsteuererklärung ab. Die eingenommene Umsatzsteuer und die Vorsteuer aus betrieblichen Anschaffungen erfassen Sie bei Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Das alles bleibt Ihnen als Kleinunternehmer erspart.

Von Vorteil ist der Wechsel zur Regelbesteuerung aber gerade wegen der Möglichkeit des Vorsteuerabzugs. Denn alles, was Sie aus betrieblichen Gründen und für Ihr Unternehmen anschaffen, kaufen Sie quasi netto. Die gezahlte Umsatzsteuer erhalten Sie nämlich vom Finanzamt zurück bzw. verrechnen diese mit der Umsatzsteuer, die Sie dem Finanzamt schulden. Vor allem bei hohen Ausgaben kann die Regelbesteuerung also von Vorteil sein. Hier lohnt eine Vergleichsrechnung, welche Besteuerungsform im Einzelfall günstiger ist.

Beispiel: L hat Einnahmen von 14.500 Euro pro Jahr und Ausgaben in Höhe von 2.975 Euro (inkl. 475 Euro Umsatzsteuer).

Vergleich Besteuerungsformen Kleinunternehmer-regelung Regelbesteuerung
Einnahmen 14.500 Euro 14.500 Euro + 2.755 Euro (19 % Umsatzsteuer) + 475 Euro (vom Finanzamt erstattete Vorsteuer) 17.730 Euro
./. Ausgaben 2.975 Euro 2.500 Euro (ohne Umsatzsteuer) + 475 Euro (Vorsteuer) + 2.755 Euro (abzuführende Umsatzsteuer) 5.730 Euro
Gewinn 11.525 Euro 12.000 Euro

Die Regelbesteuerung würde L einen Mehr-Gewinn von 475 Euro bringen.

Sind Ihre Kunden vor allem Unternehmer, die ebenfalls zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, ist die Umsatzsteuer ein neutraler Posten. Denn Ihr Geschäftspartner kann die von ihm gezahlte Umsatzsteuer ja auch wieder geltend machen.

Wie Sie Kleinunternehmer werden können

Wer sein Unternehmen gerade erst gründet, erklärt auf dem „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“, ob er Kleinunternehmer sein will oder nicht.

Unterliegen Sie bisher der Regelbesteuerung und möchten Sie zur Kleinunternehmerregelung wechseln, teilen Sie dies dem Finanzamt schriftlich mit. Idealerweise erfolgt der Wechsel zum Jahresbeginn. Denken Sie daran, dass Sie dann keine Umsatzsteuer mehr auf Rechnungen ausweisen und die Vorsteuer für Anschaffungen nicht mehr abziehen dürfen.

Fazit

Überlegen Sie sich gut, für welche Besteuerungsform Sie sich entscheiden. Wenn Sie auf die Kleinunternehmerregelung verzichten, sind Sie fünf Jahre an diese Entscheidung gebunden.

Bedenken Sie bei einem Wechsel von der Kleinunternehmerregelung zur Regelbesteuerung oder umgekehrt auch: Es kann dazu kommen, dass Umsätze nachversteuert werden müssen bzw. Vorsteuerberichtigungen zu Ihrem Nachteil ausfallen.

Romy Anker

Romy Anker

Steuerberaterin bei felix1.de
Romy Anker ist Steuerberaterin bei der felix1.de-Niederlassung in Hainichen.
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