Häusliches Arbeitszimmer: BFH setzt Grenzen

Wer von zu Hause aus arbeitet, muss das nicht vollständig auf eigene Kosten tun. Das Finanzamt beteiligt sich an den Kosten – wenn es den Raum als häusliches Arbeitszimmer anerkennt. Auch Renovierungskosten am Gebäude lassen sich absetzen. Doch hier muss man aufpassen: Nicht alles fällt unter abzugsfähige Gebäudekosten. Das hat der BFH kürzlich entschieden und damit einem kreativen, aber am Ende leer ausgehenden Steuerberater eine Absage erteilt.

Eigentlich logisch: Wer in seinem Einfamilienhaus ein Badezimmer aufwändig renoviert, kann sich nicht deshalb einen Teil der Kosten vom Finanzamt erstatten lassen, weil er in dem Haus auch ein häusliches Arbeitszimmer unterhält. Doch ein Steuerberater, der seine Beratertätigkeit von einem häuslichen Arbeitszimmer in den eigenen vier Wänden betrieb, versuchte genau das. Er wollte die Renovierungskosten für Bad, Flur und Rollläden von stolzen 40.500 Euro anteilig als Arbeitszimmerkosten ansetzen. Das Zimmer hatte einen Anteil von knapp 9 Prozent – es ging also um immerhin fast 3.500 Euro. Der Bundesfinanzhof schob dem ganzen aber einen Riegel vor (Urteil vom 14. Mai 2019, Aktenzeichen VIII R 16/15).

Renovierungskosten für Badezimmer sind keine allgemeinen Gebäudekosten

Der BFH begründete seine Entscheidung damit, dass es sich bei Renovierungskosten für ein privat genutztes Badezimmer und den Flur nicht um allgemeine Gebäudekosten handelt. Hintergrund: Wenn die Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmer vorliegen, das Mittelpunkt der beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit ist, gilt für die jeweiligen entstehenden Kosten folgendes:

  • Kosten, die dem Arbeitszimmer direkt zugeordnet werden können: voll abzugsfähig
  • Kosten, die für das gesamte Gebäude anfallen: anteilig abzugsfähig (je nach Anteil an der Wohnfläche)
  • Renovierungs- und Umbaukosten für einen Raum: nicht abzugsfähig, wenn er ausschließlich oder in überwiegendem Maße privaten Wohnzwecken dient.

Bei Bad und Flur sieht der BFH weder eine direkte Zuordnung zum häuslichen Arbeitszimmer noch einen Zusammenhang zum gesamten Gebäude. Letzteres wäre zum Beispiel bei Arbeiten am Dach oder der Fassade des Hauses der Fall, nicht aber bei einem bestimmten Raum innerhalb des Gebäudes, der fast ausschließlich privat genutzt wird.

Entscheidend war für den BFH auch nicht, dass sich durch die Renovierung der Wert des Gebäudes insgesamt deutlich erhöht. Vielmehr stellt er klar: Es geht allein darum, ob das gesamte Gebäude oder ein einzelner Raum betroffen ist. Auch bei der Reparatur von Rollläden wird demnach der Abzug ausgeschlossen, wenn sich diese im Wohnzimmer befinden.

Wann liegt ein häusliches Arbeitszimmer vor?

Der Abzug der Kosten stand bei dem Steuerberater überhaupt erst zur Debatte, nachdem das Finanzamt grundsätzlich ein steuerlich berücksichtigungsfähiges häusliches Arbeitszimmer anerkannt hatte. In seinem Fall waren die Kosten dem Grunde nach sogar in voller Höhe abzugsfähig. Grund: Bei seiner Beratertätigkeit bildete das Arbeitszimmer den Mittelpunkt seiner betrieblichen Tätigkeit. Anders ist es, wenn das Arbeitszimmer zwar nicht den Mittelpunkt der Tätigkeit bildet, jedoch kein anderer zumutbarer Arbeitsplatz  für die Büroarbeiten zur Verfügung steht. Dann sind die abziehbaren Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben auf 1.250 Euro im Jahr begrenzt.

Aber es gibt noch weitere Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmer:

  • Der Raum muss in Bezug auf Lage, Funktion und Ausstattung in die häusliche Sphäre eingebunden sein. Wichtig: Es muss sich um einen abgeschlossenen Raum handeln. Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer, die durch einen Raumteiler abgetrennt ist, reicht also nicht aus.
  • Das Zimmer muss fast ausschließlich beruflich bzw. betrieblich genutzt werden. Der Steuerpflichtige darf dort Büroarbeiten ausführen, schriftstellerisch tätig sein oder Kunden beraten. Allerdings darf er dort nicht privat Computer spielen, stricken oder Romane lesen. Erlaubt sind solche privaten Mitbenutzungen nur bis zu maximal 10 Prozent. Wird das überschritten, liegt insgesamt kein häusliches Arbeitszimmer vor. Tipp: Um sich bei einer Betriebsprüfung vor einer Vermutung der privaten Nutzung zu schützen, vermeiden Sie es, Ihre privaten CD- oder Büchersammlungen in Ihrem Arbeitszimmer aufzubewahren.

Diese Kosten sind abzugsfähig

Liegen die Voraussetzungen für ein Arbeitszimmer vor, können Sie zahlreiche Kosten geltend machen (gegebenfalls begrenzt auf 1.250 Euro im Jahr):

  • Miete bzw. Gebäudeabschreibung
  • Schuldzinsen für Kredite zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes oder der Eigentumswohnung
  • Wasser-, Abwasser- und Energiekosten
  • Reinigungskosten
  • Grundsteuer
  • Müllabfuhr- und Schornsteinfegergebühren
  • Beiträge zum Mieterverein
  • Wohngebäude- und Hausratversicherung
  • Renovierungskosten, die das gesamte Haus (zum Beispiel Heizung, Haustür, Fenster und Dach) oder Allgemeinflächen betreffen, wie dem Treppenhaus

Fazit: Liegen die Voraussetzungen für das häusliche Arbeitszimmer erst einmal vor, können Sie einige Kosten bei der Steuer ansetzen – vor allem dann, wenn es den Mittelpunkt Ihrer Tätigkeit bildet. Es gibt aber auch zahlreiche Stolpersteine, bei denen Sie ganz genau hinsehen müssen. Gerade wenn Sie bei hohen Renovierungskosten wie denen des betroffenen Steuerberaters eine Beteiligung des Finanzamtes einkalkulieren, kann das am Ende böse ins Auge gehen. Am besten fragen Sie einen felix1.de-Steuerberater, damit Sie erst gar nicht in eine solche Situation kommen.