Gestaltungsmöglichkeiten im Familienbetrieb: Was geht und was nicht geht

Familie mit SmartphoneWollen Sie ein neues Haushaltsgerät, Fahrrad, Auto, Handy, Tablet oder Laptop anschaffen? Dann kommt mancher Steuerpflichtiger auf die Idee, diese privaten Dinge über die eigene Firma anzuschaffen, um so Steuern zu sparen. Allerdings lassen sich der neue Mixer, das Rennrad in Kindergröße oder die Spielekonsole gegenüber dem Finanzamt normalerweise nur sehr schwer verargumentieren. Aber was, wenn Sie einen Familienbetrieb haben, den Sie als Eltern und ggf. die Kinder und andere Familienmitglieder zusammen führen? Geht da steuerlich mehr? Schauen wir mal.

Stellen wir uns ein nettes kleines Weingut mitten im schönen Pfälzer Wald vor. Der Senior hat sich weitgehend aus der Geschäftsführung zurückgezogen, hilft aber noch tatkräftig beim laufenden Betrieb. Sohn Martin führt das Geschäft, seine Frau Susanne ist auf Minijob-Basis angestellt und kümmert sich um Werbung, Buchhaltung, Verkauf, Bestellannahme, Lohnabrechnungen usw. Die Kinder sind 15, 12 und 8 Jahre alt. Martins Bruder ist als Winzer in Vollzeit angestellt. Der Schwiegervater hilft einmal pro Woche im Lager aus. Ein typischer Familienbetrieb.

Fall 1: Ein Laptop für die 12-jährige Tochter

Benötigt die Tochter einen neuen Laptop für ihre Hausaufgaben und schulische Recherchen, stellt sich die Frage: Kann dieses über das Weingut angeschafft und steuerlich als Betriebsausgabe abgesetzt werden? Hier lautet die Antwort ganz klar Nein! Der Laptop ist nur für private Zwecke der Tochter gedacht. Ein betrieblicher Zusammenhang liegt nicht vor. Das Gleiche gilt übrigens auch für andere Geräte wie Tablets oder Smartphones, die ausschließlich für private Zwecke angeschafft werden.

Private Gegenstände sollten nicht auf Firmenkosten angeschafft werden. Spätestens bei der nächsten Betriebsprüfung fliegt das auf.

Praxistipp: Die Tochter muss nicht auf den Laptop verzichten und Vater Martin nicht auf seine Steuerersparnis. Und das geht so: Martin überlässt den Laptop seiner Frau Susanne, die bei ihm angestellt ist. Die Überlassung ist steuer- und sozialversicherungsfrei. Susanne darf den Laptop privat nutzen, sie kann also damit machen, was sie möchte. Sie darf ihn also ohne weiteres ihrer Tochter überlassen. Wichtig ist hierbei nur, dass alles eindeutig vereinbart und wie unter fremden Dritten durchgeführt wird.

Fall 2: Das Smartphone für den angestellten Bruder

Benötigt der Bruder ein neues Smartphone, damit er im Weinberg und bei den unterschiedlichen Betriebsstätten erreichbar ist, kann Martin die entsprechenden Anschaffungskosten als Betriebsausgaben absetzen. Denn die Anschaffung ist betrieblich veranlasst, private Gründe spielen keine Rolle.

Fall 3: Ein Rennrad für den 15-jährigen Sohn

Der 15-jährige Sohn soll ein neues Fahrrad bekommen. Natürlich könnte Martin es einfach im Laden kaufen. Sollte er aber nicht. Wenn er steuerlich einen Vorteil von dem Kauf haben möchte, empfiehlt sich diese Vorgehensweise: Der Sohn arbeitet im Rahmen eines Ferienjobs im elterlichen Betrieb mit und als Lohn erhält er das Rennrad.

Das funktioniert aber nur, wenn der Vertrag einem Fremdvergleich standhält, er also so abgeschlossen wird, wie mit anderen Ferienjobbern auch. Insbesondere müssen die vereinbarten Arbeitsstunden tatsächlich geleistet werden, auch muss die Entlohnung angemessen sein. Dass statt Barlohn eine Sachleistung vereinbart ist, steht der steuerlichen Anerkennung nicht entgegen.

Übrigens: Mit der 12-jährigen Tochter würde dies nicht funktionieren. Denn eine Beschäftigung von Kindern unter 13 Jahren ist verboten.

Fall 4: Ein Dienstwagen für die Frau

Auch wenn Susanne nur auf Minijob-Basis angestellt ist, ist es aus steuerlicher Sicht durchaus möglich, ihr für die betrieblich erforderlichen Fahrten einen Dienstwagen zukommen zu lassen, den sie sogar privat nutzen dürfte.

Diese Gestaltung ist nämlich nicht grundsätzlich ausgeschlossen. So erkannte das Finanzgericht Köln einen Dienstwagen für einen Ehepartner an, der als Minijobber für Kurierfahrten angestellt war. Der private Nutzungsvorteil wurde mit der 1 %-Regelung ermittelt und der entsprechende Betrag vom Bruttolohn abgezogen. Auch wenn dadurch am Ende vom Monat nur noch wenig Barlohn an den Ehepartner ausbezahlt wurde, hatte das Finanzgericht keine Einwände gegen das Arbeitsverhältnis.

Dieses hielt einem Fremdvergleich stand, insbesondere da die Gesamtvergütung in einem angemessenen Verhältnis zur erbrachten Arbeitsleistung stand und der Ehepartner gezielt für die Fahrdienste angestellt worden war. Darüber hinaus war dem Ehepartner nur ein gebrauchter Mittelklassewagen überlassen worden. So konnten sowohl die Lohnkosten für den Ehepartner als auch der laufende Aufwand für den Dienstwagen steuerlich als Betriebsausgaben geltend gemacht werden (Finanzgericht Köln, Urteil vom 27.9.2017, 3 K 2547/16, Az der Revision X R 44/17).

Achtung: In anderen Fällen hat der Bundesfinanzhof Dienstwagen für Minijobber nicht anerkannt, zum Beispiel weil es sich um ein höherwertiges Fahrzeug handelte bzw. er für die Tätigkeit nicht erforderlich war. Auf die Entscheidung des Bundesfinanzhofs im Kölner Fall darf man also gespannt sein.

Fazit

Familienbetriebe sollten auf eine strikte Trennung von Betrieb und Privat achten. Dazu gehört, dass Privatentnahmen ordentlich dokumentiert und betriebliche Geräte so gut wie nicht privat genutzt werden. Dann können Sie der nächsten Betriebsprüfung zumindest in diesem Punkt gelassen entgegensehen.