Ferrari und Golfsport als Betriebsausgaben: Wann es zu viel Luxus ist

ferrari-golfsport-betriebsausgaben-zuviel-luxusJeder Unternehmer braucht für seine Berufstätigkeit ein Fahrzeug. Normalerweise ist das steuerlich kein Problem. Allerdings: Wenn der Selbstständige einen teuren Sportwagen als Firmenauto hat und diesen kaum fährt, kann das unangemessen sein. Konsequenz: Nur ein Teil der Kosten ist abziehbar. Auch bei teuren Hobbies wie dem Golfen spielt das Finanzamt oft nicht mit.

Aufwendungen, die (fast) ausschließlich Ihre unternehmerische Tätigkeit betreffen, sind als Betriebsausgaben abziehbar – so weit, so klar. Wenn es für die Ausgaben allerdings persönliche Gründe wie etwa spezielle Vorlieben gibt, ist das Ihre Privatangelegenheit. Die entsprechenden Kosten werden steuerlich nicht anerkannt. Das Gesetz nennt einige konkrete Beispiele wie Segel- oder Motorjachten sowie Aufwendungen für Jagd und Fischerei.

Darüber hinaus gibt es weitere Fälle, in denen das Finanzamt häufig prüft, ob die Aufwendungen angemessen und daher abziehbar sind oder ob es sich um „Repräsentationsaufwand“ handelt, der steuerlich unter den Tisch fällt. Im Fokus sind dabei insbesondere die Kosten für

  • teure Hobbies wie Golf, Tennis oder Fliegen,
  • die Ausstattung von Geschäftsräumen mit wertvollen Möbeln, Teppichen oder Bildern,
  • die Bewirtung, Beherbergung und Unterhaltung von Geschäftsfreunden sowie
  • einen Geschäftswagen der Luxusklasse.

Golfturnier: Wann die Kosten ausnahmsweise abziehbar sind

Grundsätzlich sind Aufwendungen nicht abziehbar, die der sportlichen Betätigung, der Unterhaltung von Geschäftsfreunden, der Freizeitgestaltung oder der Repräsentation dienen. In diesem Sinne sind Kosten für Golfturniere zwar in vielen Fällen, aber nicht unter allen Umständen Ihre Privatsache.

So hat der Bundesfinanzhof (BFH) die Aufwendungen für ein Golfturnier mit Galaabend einschließlich der Bewirtungskosten vom Abzug ausgeschlossen. Dabei spielt es keine Rolle, ob auf der Veranstaltung Geschäftsabschlüsse angebahnt oder abgeschlossen werden, ob für das ausrichtende Unternehmen geworben oder ob – wie im entschiedenen Fall – Spendengelder für soziale Zwecke gesammelt werden. Es ging um die Finanzierung einer Wohltätigkeitsveranstaltung für leukämie- und krebskranke Kinder (BFH, Urteil vom 16. Dezember.2015, Az. IV R 24/13).

Vielmehr reicht es laut BFH für ein Abzugsverbot aus, dass Golfturniere „typischerweise“ mit der Lebensführung (Freizeitgestaltung) des Steuerpflichtigen und/oder seiner Geschäftsfreunde zusammenhängen.

Anders sieht die Sache aus, wenn Golfturniere als Teil von Vereinbarungen über Warenlieferungen veranstaltet werden. Beispiel: Eine Brauerei schließt mit Golfclubs bzw. mit zugehörigen Gastronomiebetrieben Verträge über Bierlieferungen ab. Darin verpflichtet sie sich, Golfturniere durchzuführen (meist eines pro Jahr) bzw. die Vereine dabei finanziell zu unterstützen. Die Brauerei veranstaltet Golfturnierreihen mit rund 20 Veranstaltungen jährlich. Die Organisation, Ausrichtung sowie Einladung der Teilnehmer ist Sache der Vereine.

In diesem Fall kann die Brauerei die Kosten der Golfturniere absetzen. Entscheidender Unterschied zum ersten Fall: Zweck der Turniere ist es, abgeschlossene Verträge zu erfüllen und dadurch den Warenabsatz für die Zukunft zu sichern. Dagegen gibt es keinen sportlichen oder gesellschaftlichen Nutzen für die Gesellschafter oder Geschäftspartner der Brauerei. Jedenfalls wäre das wegen der Vielzahl der Turniere und der Teilnahmemöglichkeit für jedermann reiner Zufall und ist deshalb für die steuerliche Beurteilung ohne Bedeutung (BFH-Urteil  vom 14. Oktober 2015, Az. I R 74/13).

Ein Sportwagen im Betriebsvermögen: Geht das?

Auch ein heikler Fall: Ein Ferrari als Betriebsfahrzeug. Ein Zahnarzt wollte die Vorsteuer aus den Leasing- und Kaufkosten als Betriebsausgaben abziehen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur DPA ging es immerhin um rund € 50.000,-.

Das Finanzgericht Baden-Württemberg kürzte den Vorsteuerabzug deutlich, da die Kosten unverhältnismäßig hoch seien und der Kläger private Motive dafür habe. Ein „ordentlicher und gewissenhafter Unternehmer“ hätte laut Meinung des Gerichts so viel Geld für ein Betriebsfahrzeug nicht ausgegeben (Finanzgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 6. Juni 2016, Az. 1 K 3386/15).

Allerdings sei ein teures Auto nicht per se „unangemessen“, vielmehr komme es auf den Einzelfall an. Folgende Aspekte seien zu berücksichtigen:

  • die Größe des Unternehmens,
  • die Höhe des Umsatzes und des Gewinns sowie
  • die Bedeutung und Üblichkeit des Repräsentationsaufwands für den Geschäftserfolg bei der ausgeübten Tätigkeit.

Warum nur ein kleiner Teil der Vorsteuer abziehbar ist

Ein wichtiger Grund für die Kürzung der Vorsteuer war für die Richter folgender: Der Ferrari betrifft die private Lebensführung des Zahnarztes, da persönliche Motive die Aufwendungen mitverursacht haben, nämlich eine Vorliebe für den Motorsport. Für den Geschäftserfolg des Mediziners hat das Auto dagegen äußerst geringe Bedeutung. Ursprünglich wollte er damit Rennveranstaltungen besuchen, um dort neue Patienten zu akquirieren. Das funktionierte jedoch nicht, deshalb gab er dieses Werbekonzept nach nur einem Besuch auf.

Tatsächlich hat er den Sportwagen nur wenig genutzt (rund 3.000 Kilometer in drei Jahren) und wenn, dann vor allem für Fahrten zum Steuerberater, zu Banken und zu Fortbildungsveranstaltungen. Aus den dargestellten Gründen akzeptierte das Finanzgericht nur eine Vorsteuer in Höhe von 2,- € pro gefahrenen Kilometer.

Fazit

Beim „Repräsentationsaufwand“ müssen Sie immer einen direkten Bezug zu Umsätzen Ihres Unternehmens herstellen können, damit die Kosten abziehbar sind. Die bloße Vermutung, dass durch diese Aufwendungen Geschäftsabschlüsse ermöglicht oder erleichtert werden, reicht nicht aus.

Annika Haucke

Rechtsanwältin bei felix1.de
Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.
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Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.