Ferienjobs: So klappt es mit der Steuerfreiheit

In den meisten Bundesländern haben die Sommerferien begonnen und damit auch die Zeit, in der Schüler und Studierende sich etwas dazuverdienen wollen. Aus steuerlicher Sicht ist das gar nicht so kompliziert – wenn man alles richtig macht. Wir erklären, worauf es ankommt.

Wie sich ein Ferienjob steuerlich auswirkt, das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Schauen wir uns dies anhand von Beispielen an.

Der Taschengeldaufbesserer

Der einfachste Fall: Wer sich nur sein Taschengeld in den Ferien aufbessern will, wird in der Regel keine Steuern zahlen müssen. Denn er dürfte unter dem jährlichen Grundfreibetrag (2019: 9.168 Euro) bleiben. Meist wird es sich dabei auch um eine kurzfristige Beschäftigung handeln, für die auch keine Sozialversicherungsbeiträge anfallen.

Beispiel: Schüler Simon möchte die letzten zwei Ferienwochen seine Freundin mit einem Urlaub an der Ostsee überraschen. Weil seine Eltern die Kosten nur teilweise übernehmen möchten, kellnert er in den ersten vier Ferienwochen aushilfsweise in Luigis Bar. Er verdient 10 Euro pro Stunde und arbeitet jeden Tag maximal für 6 Stunden. Insgesamt verdient er 1.200 Euro.

Es handelt sich um eine kurzfristige Beschäftigung (nicht mehr als 70 Arbeitstage oder 3 Monate). Weder Simon noch Arbeitgeber Luigi müssen Sozialversicherungsbeträge abführen, denn kurzfristige Beschäftigungen sind sozialversicherungsfrei.

Da Simon 2019 keine weiteren Einkünfte hat, bleibt er unter dem Freibetrag. Simon muss sich also bei Luigi mit seiner Steuer-Identifikationsnummer (Steuer-ID) melden, damit dieser für ihn Lohnsteuer (Steuerklasse 1) abführen kann. Wenn er die Steuer-ID nicht mehr findet, kann er sie sich beim Bundeszentralamt für Steuern erneut mitteilen lassen. Wie das geht, lesen Sie hier auf den Seiten des Bundeszentralamts.

Simon kann jedoch eine Steuererklärung für 2019 einreichen und erhält die Steuer zurück.

Bei der Lohnsteuer hat Arbeitgeber Luigi aber noch eine andere Möglichkeit. Er kann auch eine Pauschalsteuer von 25 Prozent abführen. Voraussetzung ist, dass Simon – wie hier – nur gelegentlich (also nicht regelmäßig wiederkehrend) und nicht länger als 18 zusammenhängende Arbeitstage beschäftigt ist. Er darf nicht mehr als 12 Euro pro Stunde und 72 Euro pro Arbeitstag verdienen. Weitere Informationen erhalten Sie bei der Minijob-Zentrale.

Der „Auf-mehreren-Hochzeiten-Tänzer“

Bei zwei Arbeitgebern gibt es etwas mehr zu beachten.

Beispiel: Simon möchte seiner Freundin einen Urlaub in der Karibik schenken. Der Job bei Luigi reicht ihm finanziell nicht aus, er sucht sich einen Zweitjob als Büroaushilfe bei Schmidt.

Jetzt wird es kompliziert. Denn nun muss er für den zweiten Arbeitgeber Schmidt auf Steuerklasse 6 arbeiten und hat höhere Abzüge. Zudem ist er jetzt verpflichtet, eine Steuererklärung einzureichen. Bei nur einem Arbeitgeber hat er die Wahl.

Mit Minijob laufend das Taschengeld aufbessern

Geht es um nur um einen monatlichen kleinen Hinzuverdienst, ist es meist anders. Denn dann kann es sich um einen Minijob handeln.

Beispiel: Simon will keinen Urlaub, sondern regelmäßig sein Taschengeld um 100 bis 200 Euro aufbessern. Er jobbt jeden Monat für maximal 20 Stunden in Luigis Bar und verdient dort 10 Euro die Stunde.

Mit einem Verdienst von maximal 450 Euro pro Monat ist Simon Minijobber. Das bedeutet: Simon muss keine Sozialversicherungsbeiträge abführen und keine Lohnsteuer zahlen, wenn er sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt. Falls Simon noch minderjährig ist, muss der Antrag von seinen Eltern unterschrieben werden. Ansonsten müssen 3,6 % des Lohns an die Rentenversicherung gezahlt werden.

Anders sieht es für den Arbeitgeber Luigi aus. Dieser muss für Simon pauschale Abgaben zur Sozialversicherung und 2 % pauschale Lohnsteuer abführen. Bei der Lohnsteuer hat er die Wahl: Er kann die Steuer auch nach Lohnsteuerklasse 1 berechnen. Wenn Simon keine weiteren Beschäftigungen ausübt, fällt keine Lohnsteuer an und Luigi kann die 2% Lohnsteuer sparen.

Der Selbstständige

Bisher haben wir uns angeschaut, wie es bei einer nichtselbständigen Tätigkeit aussieht. Etwas anders ist es bei selbständigen Tätigkeiten.

Beispiel: Simon möchte mit seinem Hobby als Gedichteschreiber Geld verdienen. Er bietet seine Texte bei einem Verlag an, der ihm dafür 800 Euro zahlt. Hier handelt es sich nicht um eine Angestelltentätigkeit, sondern um eine selbstständige Tätigkeit. Was ändert sich?

Aus steuerlicher Sicht macht es sich Simon nicht gerade einfach: Denn er muss sich jetzt nicht nur steuerlich beim Finanzamt melden, sondern auch eine Steuererklärung und eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen und sich mit der Umsatzsteuer beschäftigen, denn eigentlich ist das Honorar auch umsatzsteuerpflichtig. Doch wenn Simon die Kleinunternehmerregelung wählt, muss er keine Umsatzsteuer abführen.  Für den Auftraggeber dagegen ist es einfach: Er muss sich um Sozialversicherung und Lohnsteuer gar nicht kümmern.

Oder doch bei den Eltern?

Wer sich für die kurzen Ferien nicht umständlich um einen Job kümmern will, fragt auch gerne einmal bei seinen Eltern an, ob er dort nicht aushelfen kann.

Beispiel: Simons Eltern unterstützen seinen Wunsch zwar nicht mit extra Taschengeld, ermöglichen ihm aber, in ihrem Handwerksbetrieb bei Büroarbeiten mitzuhelfen und sich hier ein wenig dazuzuverdienen.

Das ist grundsätzlich kein Problem. Es ist aber Vorsicht geboten: Denn das Finanzamt schaut hier ganz genau hin. Der Arbeitsvertrag muss ernsthaft vereinbart werden und dem entsprechen, was zwischen Fremden üblich wäre. Das gilt auch für die Durchführung: Erbringt Simon nur das, was ein Sohn üblicherweise auf familiärer Basis tut, reicht das nicht aus.

Besonderheit bei Studenten

Bei Studenten kann es den Sonderfall geben, dass sie ohnehin dauerhaft als Werkstudenten beschäftigt sind. Dann stellt sich die Frage nach der Sozialversicherung.

Sind Studenten nämlich dauerhaft nicht mehr als 20 Stunden in der Woche beschäftigt, müssen sie weder Kranken-, noch Pflege- oder Arbeitslosenversicherungsbeiträge zahlen. Nur zur Rentenversicherung fallen Beiträge an. Sobald sie die Grenze jedoch überschreiten, wird die Arbeit versicherungspflichtig.

Was ist nun aber, wenn Studierende in den Semesterferien zusätzlich arbeiten möchten? Hier können wir alle beruhigen: Studenten müssen auch bei Ferienjobs grundsätzlich nur Rentenversicherungsbeiträge abführen, egal wie viele Stunden sie tätig werden. Studenten können also ohne weiteres in den Semesterferien mehr als 20 Stunden arbeiten. Entscheidend ist, dass nur zeitlich befristet mehr als 20 Stunden pro Woche gearbeitet wird und dies auch nur in den Semesterferien.

Achtung: Eine Ausnahme von der Rentenversicherungspflicht gibt es nur bei geringfügigen (wenn ein Antrag auf Befreiung gestellt wird) oder kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen.

  • Eine geringfügige Beschäftigung liegt bei einem Minijob vor (monatlich maximal 450 Euro Verdienst).
  • Eine kurzfristige Beschäftigung setzt voraus, dass sie nicht mehr als drei Monate bzw. maximal 70 Arbeitstage im Jahr andauern soll.

Fazit: Wer als Schüler oder Student in den Ferien ein paar Euro dazuverdienen will, hat keine großen Hürden zu überwinden. Er sollte sich aber im Vorhinein überlegen, wie er die Tätigkeit konkret ausgestalten will und sich mit Vor- und Nachteilen der Varianten vertraut machen.