Familienangehörige als Mitarbeiter: So geht‘s

Sie sind Unternehmer und brauchen Personal, aber es herrscht Fachkräftemangel? Warum sollten Sie dann nicht auf ein qualifiziert ausgebildetes Familienmitglied zurückgreifen? Vorteil: Die Kosten für das mitarbeitende Familienmitglied können Sie als Betriebsausgaben steuermindernd geltend machen. Aber lohnt sich das unter dem Strich eigentlich? Zumal das Finanzamt ganz genau hinschaut, ob die entsprechenden Vereinbarungen wasserdicht sind. Wehe, wenn nicht…

Die Hürden des Finanzamts: So gelingt die Anstellung stolperfrei

Arbeitsverträge mit Familienangehörigen sind keineswegs verboten. Trotzdem stehen sie bei den Finanzämtern offensichtlich unter dem Generalverdacht, dass sie nur zum Schein abgeschlossen werden, um Steuern zu sparen. Hier wird ganz genau geprüft, ob die Anstellung des Familienmitglieds dem sogenannten Fremdvergleich standhält, also die Vereinbarungen auch mit einer fremden Person geschlossen worden wären.

Darauf müssen Sie achten:

  • schriftlicher Arbeitsvertrag
  • tatsächliche Durchführung
  • angemessene Vergütung

Ein schriftlicher Arbeitsvertrag erspart Ihnen viel Ärger mit dem Finanzamt. Haben Sie wie mit anderen Mitarbeitern auch die Aufgaben des Familienmitglieds genau beschrieben, die Arbeitszeiten festgelegt, die zu leistenden Stunden und das Gehalt vereinbart, Urlaub und Kündigungsfristen geregelt, sind Sie auf der sicheren Seite.

Papier ist geduldig – deshalb sollten Sie nachweisen können, dass der Arbeitsvertrag tatsächlich durchgeführt wird. Haben Sie hier keine Nachweise zur Hand, akzeptiert das Finanzamt im Zweifel die Anstellung nicht, die steuerlichen Vorteile sind dahin. Unabdingbar sind daher Aufzeichnungen über Datum und Uhrzeiten der Arbeitseinsätze.

Eine angemessene Vergütung heißt: Zahlen Sie nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Für simple Botendienste setzen Sie das Gehalt niedriger an, für anspruchsvolle Aufgaben entsprechend höher. Am besten zahlen Sie das Gehalt, dass Sie einer fremden Arbeitskraft zahlen würden bzw. müssten.

Steuerfreie Extras gibt es auch für angestellte Familienmitglieder

Wie bei jedem anderen Arbeitsverhältnis auch dürfen Sie Ihr beschäftigtes Familienmitglied mit steuerfreien Extras belohnen, zum Beispiel mit einem Kindergartenzuschuss, Einkaufsgutscheinen, einem Smartphone, Leistungen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes und vielem mehr.

Selbst ein Dienstwagen darf überlassen werden – sogar bei einer Anstellung auf Minijob-Basis –, wenn dieser für die Tätigkeit erforderlich ist.

Minijob: Welche Kosten entstehen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

Vor allem bei der Beschäftigung von Familienangehörigen ist der Minijob auf 450-Euro-Basis sehr beliebt. Denn er ist einfach zu handhaben und die Kosten für die Arbeitgeberseite halten sich in Grenzen: Der pauschale Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung beträgt 15 %, zur gesetzlichen Krankenversicherung 13 %, und es fällt lediglich eine pauschale Einkommensteuer von 2 % an. Dazu können verschiedene Umlagen in Höhe von insgesamt 1,2 % kommen, zum Beispiel die Insolvenzgeldumlage.

Verdient der Angestellte 450 Euro im Monat, liegen die Abgaben des Arbeitgebers bei monatlich 140,40 Euro (im Jahr 2019). Als Betriebsausgaben kann der Arbeitgeber auf das Jahr hochgerechnet insgesamt 7.084,80 Euro ansetzen.

Der Arbeitnehmer wird nicht mit Steuern und Sozialabgaben belastet – vom Aufstockungsbetrag zur gesetzlichen Rentenversicherung einmal abgesehen. Dieser beträgt derzeit 3,6 %, also 16,20 Euro bei einem Verdienst von 450 Euro, der vom Gehalt abgezogen wird. Zur Auszahlung kommen dann 433,80 Euro.

Achtung bei einer Erhöhung des Mindestlohns: Eventuell müssen die zu leistenden Stunden reduziert werden, um die 450-Euro-Grenze nicht zu überschreiten. Seit 1.1.2019 beträgt der Mindestlohn 9,19 Euro pro Stunde.

Eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung des Familienmitglieds ist zwar gut für dessen finanzielle Absicherung, bringt unter dem Strich aber Nachteile, da der Lohn normal versteuert werden muss und die vollen Sozialabgaben fällig werden.

Fazit

Wer die Anstellung eines Familienmitglieds sorgfältig plant und durchführt, sollte das Misstrauen des Finanzamts nachhaltig zerstreuen können. Mit einem Minijob lassen sich auf beiden Seiten Steuern und Sozialabgaben sparen. Ob das im jeweiligen Einzelfall tatsächlich die beste Variante ist, sollte vorab genau durchgerechnet werden.

Oliver Schwertle

Oliver Schwertle

Steuerberater bei felix1.de
Oliver Schwertle ist Steuerberater bei der felix1.de-Niederlassung in Nellingen.
Oliver Schwertle

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