Einzelunternehmer: So machen Sie Ihre Steuerberatungskosten geltend

Wer sich bei der Erstellung seiner Steuererklärung Hilfe holt, darf die dabei entstehenden Kosten steuerlich geltend machen – möchte man meinen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn Steuerberatungskosten dürfen Sie nur als Betriebsausgaben abziehen, soweit diese bei der Ermittlung Ihrer Einkünfte aus selbstständiger Arbeit oder Gewerbebetrieb anfallen. Deshalb sind die Kosten für das Ausfüllen des Mantelbogens nicht absetzbar. Immerhin gibt es eine Vereinfachungsregelung, von der Sie profitieren können.

Welche Kosten Sie als Steuerberatungskosten absetzen können

Zu den Steuerberatungskosten gehören alle Ausgaben, die rund um Ihre Steuererklärung und Ihr Besteuerungsverfahren anfallen. Das sind insbesondere:

  • Honorar für den Steuerberater, den Fachanwalt für Steuerrecht, den Rechtsanwalt oder Wirtschaftsprüfer
  • Mitgliedsbeitrag im Lohnsteuerhilfeverein
  • steuerliche Fachliteratur
  • Signaturkarte für die elektronische Übermittlung der Steuererklärung
  • PC, Laptop oder Tablet, mit dem die Steuererklärung erstellt wird – soweit das Gerät nicht schon anderweitig betrieblich geltend gemacht wurde
  • Steuererklärungs-Software
  • Fahrtkosten für Wege zum Finanzamt, Steuerberater usw., das sind für jeden gefahrenen Kilometer 30 Cent bzw. die tatsächlichen Kosten oder die Fahrkarte für öffentliche Verkehrsmittel

Nicht zu den abzugsfähigen Steuerberatungskosten zählen zum Beispiel:

  • Beitrag für den Bund der Steuerzahler
  • Portokosten für den Schriftwechsel mit Finanzamt und Steuerberater
  • Wirtschaftszeitschriften und -zeitungen, die nur einen geringen steuerlichen Anteil haben, wie zum Beispiel das „Handelsblatt“

Beispiel: Frank, verheiratet, zwei Kinder, ist selbstständiger Handelsvertreter. Als solcher erzielt er Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Da er viel unterwegs ist, kümmert sich ein Steuerberater um alle steuerlichen Angelegenheiten. Diesen sucht er einmal im Jahr auf. Frank ist auch Mitglied im Bund der Steuerzahler und hat das Handelsblatt abonniert. Zu den Steuerberatungskosten gehören grundsätzlich die Beträge, die der Steuerberater in Rechnung stellt, und die Fahrtkosten zum Steuerberater. Der Mitgliedsbeitrag für den Bund der Steuerzahler und die Abo-Kosten für das „Handelsblatt“ bleiben steuerlich außen vor.

Nur betriebliche Aufwendungen erkennt das Finanzamt an

Steuerberatungskosten sind nur dann als Betriebsausgaben abzugsfähig, wenn sie betrieblich veranlasst sind. Eine solche betriebliche Veranlassung liegt zum Beispiel in diesen Fällen vor:

  • Ermittlung der Einkünfte und Betriebsausgaben bei einer Einkunftsart
  • Erstellen der Einnahmen-Überschuss-Rechnung, der Umsatzsteuervoranmeldungen, Umsatzsteuererklärung und Gewerbesteuererklärung
  • Fragen zur Grundsteuer für ein betriebliches Grundstück

Beispiel: Franks Steuerberater stellt ihm die Kosten für das Erstellen der Einnahmen-Überschuss-Rechnung und der Gewerbesteuererklärung in Rechnung. Diese Aufwendungen sind betrieblich veranlasste Steuerberatungskosten.

Was passiert mit privaten Steuerberatungskosten?

Privat veranlasste Steuerberatungskosten wirken sich steuerlich nicht aus und bleiben deshalb außen vor. Privat ist dabei alles, was sich keiner Einkunftsart zuordnen lässt, also zum Beispiel

  • das Ausfüllen der Steuerformulare
  • steuerliche Vergünstigungen für Eltern (Freibeträge für Kinder, Kindergeld)
  • Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen
  • Ermittlung von Vorsorgeaufwendungen und außergewöhnlichen Belastungen (z. B. Unterhaltsleistungen, Krankheitskosten, Berechnung der zumutbaren Belastung)
  • Beratung bezüglich der Veranlagungsform bei Ehegatten (Zusammen- oder Einzelveranlagung)
  • Beantragung des Sonderausgabenabzugs bei der Riester-Rente
  • Beratung hinsichtlich Erbschaft- und Schenkungsteuer

Beispiel: Der Steuerberater füllt für Frank auch den Mantelbogen und die Anlage Kind aus und beantragt für die Haushaltshilfe die Steuerermäßigung. Die Kosten dieser Tätigkeiten gehören nicht zu den abzugsfähigen Steuerberatungskosten. Frank muss deshalb darauf achten, dass der Steuerberater in der Rechnung die Kosten entsprechend in betriebliche und private Kosten aufschlüsselt.

Für „gemischte Aufwendungen“ gibt es eine Vereinfachungsregelung

Manche Kosten lassen sich nicht so einfach nach beruflich und privat aufteilen. Das gilt zum Beispiel bei steuerlicher Fachliteratur oder wenn Sie mit dem Steuerberater eine Pauschale statt einer Einzelabrechnung vereinbart haben.

Um Ihnen das umständliche Aufteilen zu sparen und Streit mit dem Finanzamt zu vermeiden, gibt es für sog. gemischte Aufwendungen eine Vereinfachungsregelung:

  • Kosten bis 100 Euro: Diese dürfen Sie bei einer Einkunftsart Ihrer Wahl geltend machen.
  • Kosten bis 200 Euro: Von diesen dürfen Sie 100 Euro bei einer Einkunftsart Ihrer Wahl geltend machen. Der restliche Betrag wird nicht berücksichtigt.
  • Kosten über 200 Euro: 50 % der Kosten dürfen Sie bei einer Einkunftsart Ihrer Wahl geltend machen. Die übrigen 50 % werden nicht berücksichtigt.

Beispiel: Frank gibt 150 Euro im Jahr für Fachliteratur zum Thema Steuern aus. Davon kann er 100 Euro seinen Einkünften aus Gewerbebetrieb zuordnen und als Betriebsausgaben abziehen. Die restlichen 50 Euro werden steuerlich nicht berücksichtigt. Lassen sich Frank und seine Frau zusammen veranlagen, können sie die Steuerberatungskosten in Höhe von 100 Euro stattdessen den nichtselbstständigen Einnahmen der Ehefrau zuordnen und als Werbungskosten geltend machen. Das macht aber nur dann Sinn, wenn der Arbeitnehmer-Pauschbetrag durch andere Ausgaben bereits ausgeschöpft ist. Denn nur so wirken sich die Steuerberatungskosten auch steuermindernd aus.

Fazit

Betrieblich oder privat veranlasst, das ist bei den Steuerberatungskosten scheinbar der größte Knackpunkt. Allerdings sind inzwischen die meisten Streitfälle von den Finanzgerichten entschieden worden, sodass es bei der Zuordnung so gut wie keine Probleme mehr gibt. Und die Vereinfachungsregelung macht den Abzug gemischter Steuerberatungskosten tatsächlich einfacher. Erfreulich, dass es das im komplizierten deutschen Steuerrecht tatsächlich noch gibt.