3 große Stolperfallen in der Einkommensteuererklärung

Stolperfallen-bei-der-EinkommensteuererklaerungDie Frage, ob eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden sollte, ist für jeden eine Überlegung wert. Ob Sie sich nun entscheiden, freiwillig die Erklärung abzugeben oder aber sowieso dazu verpflichtet sind – es gibt einige Stolperfallen, die Sie kennen sollten. Wir verraten drei davon.

Die Einkommensteuererklärung kann sehr komplex und zeitaufwändig sein. Die Geschichte von der Steuererklärung auf dem Bierdeckel wird wohl noch lange eine Zukunftsvision bleiben. Wer sich nun dazu entscheidet, die Erklärung freiwillig abzugeben, sollte natürlich nicht in die typischen Steuerfallen tappen. Wir möchten Sie davor bewahren und erklären, wo die Gefahren lauern:

  1. Vorsorgeaufwendungen

Vorsorgeaufwendungen sind Versicherungsbeiträge. So weit, so gut. Das Problem ist nur: Nicht jeder Beitrag zu einer Versicherung ist auch eine Vorsorgeaufwendung. Nicht dazu gehören z.B. Sachversicherungen wie Feuer-, Hausrat- und Kfz-Kaskoversicherungen. Dagegen zählen zu den Vorsorgeaufwendungen z. B. Beiträge zur gesetzlichen und privaten Rentenversicherung (insbesondere Riester, Rürup usw.), zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie Arbeitslosenversicherungen. Nicht selten verliert man hier den Überblick.

Außerdem sind bestimmte Prozent- und Höchstsätze zu beachten, die sich je nach Vorsorgeart unterscheiden. So sind die Ausgaben für die private und gesetzliche Rentenversicherung bis zu 22.172 Euro absetzbar. Im Jahr 2015 sind diese auch auf 80% der Aufwendungen begrenzt. Und: Wer rentenversicherungspflichtig ist, bei dem erfolgt nochmal ein Abzug um den Arbeitgeberanteil. Ihre Basiskrankenversicherung können Sie vollständig geltend machen. Bleiben Sie damit unter dem Höchstbetrag von 1.900 Euro (Arbeitnehmer) bzw. 2.800 Euro (Selbstständige), können Sie den Restbetrag mit anderen Versicherungen ausschöpfen.

Beispielrechnung für das Jahr 2015:

  • Arbeitnehmer: 3.000 Euro
  • Arbeitgeber: 3.000 Euro
  • Riesterrente: 2.000 Euro
  • Gesamt: 8.000 Euro
  • Höchstbetrag: 22.172 Euro (nicht erreicht)
  • 80% (in 2015) von 8.000 Euro: 6.400 Euro
  • abzuglich Arbeitgeberanteil: 3.000 Euro
  • Damit sind 3.400 Euro als Sonderausgaben abziehbar
  1. Außergewöhnliche Belastungen

Krankheits-, Pflege und Unterhaltsaufwendungen sind zum Teil sehr aufwändige und komplizierte Sachverhalte in der Steuererklärung. Insbesondere Unterhaltsaufwendungen können sich dann aber steuerlich stark auswirken.

Als außergewöhnliche Belastungen sind solche Ausgaben abzugsfähig, die in außergewöhnlichen Lebenssituationen anfallen. Das ist gar nicht so selbstverständlich: Denn normalerweise sind private Kosten gar nicht abziehbar.

Hier wird allerdings noch einmal unterschieden:

  • Ausgaben in bestimmten Lebenssituationen wie Behinderung, häusliche Pflege und der Tod der Eltern sind abziehbar. Allerdings sind sie auf einen Pausch- oder Höchstbetrag begrenzt. Beispiel: Der Behindertenpauschbetrag beträgt – abhängig vom Grad der Behinderung – zwischen 310 und 3700 Euro.
  • Andere außergewöhnliche Lebenssituationen, die bestimmte zwangsläufig notwendige Kosten verursachen, sind ebenfalls abziehbar. Hier wird aber davon ausgegangen, dass der Betroffene einen Teil davon selbst tragen kann (zumutbare Eigenbelastung). Hierzu gehören z.B. Kosten für eine Kur oder Beerdigungskosten. Die Anteil der zumutbaren Belastung liegt zwischen 5% und 7% und ist abhängig von der Höhe der Einkünfte, der Zusammen- oder Einzelveranlagung und davon, ob der Steuerpflichtige Kinder hat.
  1. Vermietung und Verpachtung

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sind solche, die z.B. aus der Vermietung von Zimmern oder Wohnungen entstehen. Wer allerdings glaubt, dass sie damit immer auch unter die gleichnamige Einkunftsart fallen, der irrt. Handelt es sich nämlich um Betriebsvermögen eines Freiberuflers oder Gewerbetreibenden, sind es auf einmal Betriebseinnahmen.

Auch ist hier zu beachten, dass die Aufwendungen über mehrere Jahre aufgeteilt werden müssen (Abschreibung). Zurzeit beträgt die Abschreibungsrate in der Regel 2%. Das bedeutet: Die Anschaffungs- und Baukosten werden zu 2% jährlich abgeschrieben, also auf 50 Jahre Nutzungsdauer verteilt.

Auch wird gerne an Familienangehörige vermietet. Wer vergünstigt vermietet, kann unter Umständen Steuern sparen. Hier müssen Sie aber einiges beachten. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel „Mietvertrag mit Kindern: durch Vermietung Steuern sparen“.

Wer hier ins Schwitzen gerät, wird wohl viel Zeit aufwenden müssen, um alle Möglichkeiten für eine möglichst hohe Steuerersparnis auszuschöpfen. Unserer Erfahrung nach schlummern hier viele Fehlerquellen. Bei Unsicherheiten wenden Sie sich also lieber an jemanden, der sich damit auskennt.

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Annika Haucke

Rechtsanwältin bei felix1.de
Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.
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Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.