Dienstfahrrad: Jetzt noch lohnenswerter

Attraktiv war das Dienstfahrrad schon immer. Doch wer sich bisher von dem Modell „Fahrrad beim Arbeitgeber leasen“ noch nicht ganz hat überzeugen lassen, sollte spätestens jetzt darüber nachdenken. Denn nun gibt es Privilegierungen bei der steuerlichen Behandlung der Privatnutzung – und zwar für jeden Arbeitnehmer.

Der Sommer ist in vollem Gange, die Sonne zeigt sich von ihrer besten Seite – und damit wird es immer unangenehmer mit der Bahn oder dem Auto zur Arbeit zu fahren. Der Wechsel zum Fahrrad ist nicht nur aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll. Warum dann nicht den Arbeitgeber nach einem Dienstfahrrad fragen?

Steuerlich lohnenswert

Diese Frage können sich Arbeitnehmer nun umso mehr stellen: Denn ein Dienstfahrrad lohnt sich seit einigen Monaten in steuerlicher Hinsicht besonders. Die Privatnutzung von Dienstfahrrädern muss zwar versteuert werden. Doch seit Jahresbeginn hat es hier verschiedene Privilegierungen gegeben, zuletzt mit einem Erlass der obersten Finanzbehörden vom 13. März 2019. Dieser stellt klar, dass die Privatnutzung von Dienstfahrrädern jetzt nur noch mit 1% des halben Bruttolistenpreises versteuert werden muss, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer das Fahrrad statt eines Teils des Gehalts zur Verfügung stellt (Barlohnumwandlung). Vorher war es 1% des vollen Bruttolistenpreises.

Damit wird also für alle Fälle der Dienstfahrradüberlassung eine steuerliche Verbesserung für den Arbeitnehmer festgelegt. Erst zum Jahresende 2018 hatte der Bundestag eine Erleichterung für solche Arbeitnehmer verabschiedet, denen das Fahrrad zusätzlich zum Arbeitslohn überlassen wird. Diese trifft es noch besser: Die Besteuerung der Privatnutzung entfällt für diese Arbeitnehmer nämlich komplett. Gesetzlich verankert wurde das allerdings bisher nur für Fälle, in denen das Fahrrad zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 31. Dezember 2021 zur Verfügung gestellt wird. Allerdings wurde in der Debatte eine Verlängerung der Förderung bis 2030 in Aussicht gestellt.

So viel sparen Sie

Aber wie viel bringen die neuen Privilegierungen dem Arbeitnehmer konkret? Schauen wir uns das anhand eines Beispielsfalls an:

Beispiel 1 (Barlohnumwandlung):

Mitarbeiterin Miriam (25 Jahre aus Berlin, keine Kinder und nicht in der Kirche) verdient 3.000 Euro brutto im Monat. Sie möchte gern ein neues Fahrrad haben und vereinbart am 1.7.2019 mit Chef Christian, dass sie auf 100 Euro im Monat verzichtet, bekommt dafür aber ein von ihm geleastes Fahrrad (Bruttolistenpreis von 3.000 Euro) zur Verfügung gestellt.

Lösung:

Miriam muss die Privatnutzung des Fahrrads mit 1% des halben Bruttolistenpreises versteuern. 1% von 1.500 Euro sind 15 Euro, auf die sie Steuern zahlen muss.Nach der alten Rechtslage waren es dagegen 30 Euro, auf die sie Steuern hätte zahlen müssen.

Beispiel 2 (Zusätzlich zum Arbeitslohn):

Miriam hat besonders gut gearbeitet und Christian möchte sie belohnen. Statt einer Gehaltserhöhung überlässt ihr Christian das Dienstfahrrad, das sie zusätzlich zu ihrem 3.000-Euro-Lohn bekommt.

Lösung:

Miriam hat Glück: Seit dem 1.1.2019 muss Miriam die Privatnutzung überhaupt nicht mehr versteuern.

Es ergeben sich folgende Berechnungen:

  Ohne Dienstfahrrad Beispiel 1: Mit Gehaltsumwandlung (neue Rechtslage) Beispiel 1: Mit Gehaltsumwandlung (alte Rechtslage) Beispiel 2: Zusätzlich zum Arbeitslohn
Bruttolohn 3.000 Euro 3.000 Euro 3.000 Euro 3.000 Euro
Gehaltsumwandlung 0 Euro 100 Euro 100 Euro 0 Euro
Geldwerter Vorteil 0 Euro 15 Euro 30 Euro 0 Euro
Bruttolohn 3.000 Euro 2.915 Euro 2.930 Euro 3.000 Euro
Lohnsteuer und Soli 439,49 Euro 416,89 Euro 420,85 Euro 439,49 Euro
Sozialversicherungsabgaben 602,25 Euro 585,20 Euro 588,21 Euro 602,25 Euro
Geldwerter Vorteil 0 Euro 15 Euro 30 Euro 0 Euro
Nettolohnauszahlung pro Monat 1.958,26 Euro 1.897,91 Euro 1.890,94 Euro 1.958,26 Euro

Fazit: Im Ergebnis spart Miriam im Beispiel 1 durch die neue Privilegierung immerhin sieben Euro im Monat. Und im Beispiel 2 profitiert sie davon, dass sie nun das Fahrrad einfach so obendrauf bekommt und keine Steuern dafür zahlen muss.

Auch Vorteile für den Arbeitgeber

Doch nicht nur der Arbeitnehmer, sondern auch der Arbeitgeber profitiert von dem Dienstfahrradmodell. Denn er kann die Leasingraten in voller Höhe als Betriebsausgaben abziehen. Im Vergleich zum normalen Gehalt muss er außerdem keine Sozialversicherung auf die Leasingraten zahlen. Lesen Sie ein Berechnungsbeispiel in unserem Blogbeitrag „Dienstfahrradmodell: Jetzt handeln“.

Fazit:

Es geht voran mit der Privilegierung von Dienstfahrrädern. Und es soll noch besser werden: Mit dem Referentenentwurf des Gesetzes zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften vom 8. Mai 2019 hat das Bundesfinanzministerium vorgeschlagen, die Steuerbefreiung für Diensträder, die zusätzlich zum Arbeitslohn überlassen werden, bis zum Jahr 2030 zu verlängern.Im entsprechenden Regierungsentwurf der Bundesregierung vom 31. Juli 2019 wurde der Vorschlag angenommen.

Beate Raudßus

Steuerberaterin bei felix1.de
Beate Raudßus ist Steuerberaterin bei der felix1.de-Niederlassung in Wanzleben-Börde.
Beate Raudßus

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