Die 5 größten Fehler beim Einspruch gegen den Steuerbescheid

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Ein Einspruch gegen einen Steuerbescheid ist eigentlich ganz einfach einzulegen. Allerdings gibt es auch hier Stolpersteine, die man besser umgehen sollte. Denn einige Fehler können dazu führen, dass Ihr Einspruch keinen Erfolg hat.

Das ist besonders dann ärgerlich, wenn man sich durch den Einspruch gegen den Steuerbescheid eine Steuererstattung erhofft hatte.

Fehler 1: Ehepartner legen nicht gemeinsam Einspruch ein!

Wählen Ehepartner die Zusammenveranlagung, erhalten sie einen gemeinsamen Steuerbescheid, der die Einnahmen und Ausgaben beider Ehegatten zusammenfasst. Diesen Steuerbescheid kann grundsätzlich jeder der Ehepartner alleine anfechten. Das sollte aber unbedingt vermieden werden. Denn dadurch kann es zu unterschiedlichen Festsetzungen und unterschiedlicher Bestandskraft innerhalb des Bescheids kommen. Und das verkompliziert das Einspruchsverfahren unnötig, wie ein aktuelles Beispiel aus der Rechtsprechung zeigt:

Das Finanzamt setzte gegenüber der Ehefrau das besondere Kirchgeld fest. Aber nur der Ehemann legte gegen den gemeinsamen Steuerbescheid Einspruch ein. Gegen die Einspruchsentscheidung klagte dagegen die Ehefrau. Beim Finanzgericht wurde die Klage als unzulässig zurückgewiesen, weil die Ehefrau nicht rechtzeitig Einspruch erhoben hatte (FG Hamburg, Urteil vom 1.9.2015, 3 K 167/15).

Fehler 2: Sie schicken den Einspruch an das falsche Finanzamt!

Für Ihren Einspruch ist das Finanzamt zuständig, das den Steuerbescheid erlassen hat. An dieses Finanzamt müssen Sie also Ihr Einspruchsschreiben schicken. Das gilt selbst dann, wenn Sie in der Zwischenzeit umgezogen sind. Welches Finanzamt den Steuerbescheid erlassen hat und damit für den Einspruch zuständig ist, können Sie dem Steuerbescheid entnehmen.

Senden Sie Ihr Einspruchsschreiben an ein anderes Finanzamt, sind Probleme vorprogrammiert. Denn Ihr Schreiben wird zwar weitergeleitet. Geht es beim zuständigen Finanzamt jedoch erst ein, nachdem die Einspruchsfrist abgelaufen ist, ist der Einspruch verspätet und kann keinen Erfolg mehr haben.

Hier haben wir die 5 größten Fehler beim Einspruch gegen den Steuerbescheid als Infografik dargestellt:

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Fehler 3: Sie verpassen die Einspruchsfrist!

Für Ihren Einspruch haben Sie einen Monat Zeit. Diese Frist dürfen Sie auf keinen Fall verpassen. Geht Ihr Einspruch erst nach Ablauf der Frist beim Finanzamt ein, ist er unzulässig, die erhoffte Steuererstattung ist dahin.

Zwar gibt es theoretisch die Möglichkeit, einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu stellen (z. B. bei plötzlicher, schwerer Krankheit des Steuerpflichtigen). Diese Anträge haben aber in den seltensten Fällen Erfolg.

Wie die Einspruchsfrist berechnet wird, lesen Sie in dem BeitragPraxisfall: So legen Sie gegen Ihren Steuerbescheid Einspruch ein.

Fehler 4: Sie verzichten auf den Einspruch oder nehmen ihn zurück!

Sie haben die Möglichkeit, auf Ihr Recht, Einspruch einzulegen, zu verzichten. Auch einen bereits eingelegten Einspruch können Sie zurücknehmen.

Der Verzicht bewirkt, dass ein Einspruch unzulässig ist, Sie gegen Ihren Steuerbescheid keinen Einspruch mehr einlegen können – und das ist auf keinen Fall empfehlenswert.

Eine Rücknahme sollte nur in Ausnahmefällen erklärt werden, zum Beispiel wenn das Finanzamt mit einer Verböserung droht und den Steuerbescheid zu Ihren Ungunsten ändern will. Mit der Rücknahme wird der ursprüngliche Steuerbescheid bestandskräftig, so als ob Sie keinen Einspruch eingelegt hätten. Darüber hinaus ist nach einer Rücknahme keine Klage vor dem Finanzgericht mehr möglich. Überlegen Sie sich also gut, ob Sie mit diesen Folgen leben können, bevor Sie einen Einspruch zurücknehmen.

Fehler 5: Sie zahlen die festgesetzte Steuernachzahlung nicht!

Auch wenn Sie Einspruch eingelegt haben, müssen Sie die Steuernachzahlung, die das Finanzamt im Steuerbescheid festgesetzt hat, begleichen. Tun Sie das nicht bzw. nicht rechtzeitig, setzt das Finanzamt einen Säumniszuschlag fest. Und der beträgt immerhin 1% des Steuerbetrags (abzurunden ist auf den nächsten durch 50 Euro teilbaren Betrag), und zwar für jeden angefangenen Monat der Säumnis.

Sind Sie sich sicher, dass Sie mit Ihrem Einspruch Erfolg haben werden, stellen Sie einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung. Entspricht das Finanzamt diesem, müssen Sie die Steuernachzahlung erst einmal nicht bezahlen. Das Risiko dabei: Sollte Ihr Einspruch doch nicht erfolgreich sein, zahlen Sie nicht nur Ihre Steuern sondern auch noch Aussetzungszinsen.

 

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Andreas Reichert

Steuerberater und Vorstand bei felix1.de
Als ehemaliger Softwareentwickler verbinde ich Steuerrecht, IT und Projektmanagement. Ich bin erst zufrieden, wenn komplizierte Dinge so sehr vereinfacht wurden, dass sie jedes Kind versteht.
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