Briefkastenfirma gründen und dadurch Gewerbesteuer sparen

so-sparen-unternehmer-gewerbesteuerLücken in unserem Steuersystem können nur große Unternehmen nutzen – könnte man meinen. Allerdings gibt es auch für kleine und mittlere Unternehmen eine Gesetzeslücke, um Gewerbesteuer zu sparen.

Über die Gewerbesteuer ärgern sich viele Unternehmen. Denn es sind nicht nur durchschnittlich zwischen 14 und 15 % des Gewinns weg, die Gewerbesteuer ist seit 2008 nicht mehr als Betriebsausgabe abziehbar. Das bedeutet: Es muss zwar Gewerbesteuer gezahlt werden, diese mindert aber nicht den Gewinn.

Unternehmen können die Höhe der Gewerbesteuer allerdings beeinflussen. Jede Stadt bzw. Gemeinde legt die Höhe nämlich selbst fest. Deshalb ist der Standort des Unternehmens sehr wichtig. In Berlin, mit einem Hebesatz von 410 %, sind effektiv 14,35  % Gewerbesteuer zu zahlen.

Beispiel: Das Berliner Start-up-Unternehmen „Animalando UG“ betreibt einen Laden für Tierzubehör und hat bereits im zweiten Geschäftsjahr einen Gewinn von 100.000 Euro erwirtschaftet. Es müssen deshalb 14.350 Euro (100.000 Euro x 3,5 % x 410 %) Gewerbesteuer gezahlt werden.

Wer sein Unternehmen nur wenige Kilometer weiter in der brandenburgischen Stadt Zossen betreibt, zahlt dagegen nur 7 %  Gewerbesteuer. In Zossen liegt der Hebesatz nämlich bei nur 200 %.

Beispiel: Das Unternehmen wird in Zossen statt in Berlin betrieben. Es sind nur 7.000 Euro (100.000 Euro x 3,5 % x 200 %) Gewerbesteuer bei 100.000 Euro Gewinn zu zahlen.

Günstig wäre es, wenn ein Berliner Unternehmen den niedrigeren Gewerbesteuersatz aus einer anderen Stadt nutzen kann. Das geht sogar ganz oder teilweise mit einem kleinen Trick.

Achtung: Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften können die Gewerbesteuer fast immer zum größten Teil auf die Einkommensteuer anrechnen. Die Gewerbesteuerbelastung ist deshalb bei diesen Unternehmern erheblich geringer.

So nutzen Sie die Gesetzeslücke

In der Stadt, in der ein sehr günstiger Gewerbesteuerhebesatz besteht, wird ein weiteres Unternehmen gegründet. Dieses Unternehmen vergibt Lizenzen. Das könnten beispielsweise Franchise-Lizenzen für das Geschäftsmodell des Berliner Start-ups sein. Wichtig ist, dass diese Franchise-Lizenzen auch von anderen Unternehmen erworben werden können.

Jedes Unternehmen, das diese Lizenz erwirbt, darf den Namen des Zossener Unternehmens verwenden. Die Lizenz beinhaltet außerdem ein Konzept, wie die Läden einzurichten sind und wie diese betrieben werden müssen. Warenbestellungen werden über das Zossener Unternehmen ausgeführt.

Beispiel: Das Berliner Unternehmen schließt mit dem Zossener Unternehmen den Lizenzvertrag ab und zahlt monatlich angemessene 5.000 Euro. Dadurch hat das Berliner Unternehmen 60.000 Euro weniger Gewinn im Jahr erzielt, die nun im Zossener Unternehmen sind.

Das Berliner Unternehmen zahlt für die 40.000 Euro Gewinn 5.740 Euro Gewerbesteuer. Das Zossener Unternehmen für 60.000 Euro Gewinn 4.200 Euro Gewerbesteuer.
Insgesamt sind nur noch 9.940 Euro (5.740 Euro + 4.200 Euro) Gewerbesteuer gezahlt worden und damit 4.410 Euro weniger (14.350 Euro – 9.940 Euro).

Nachteile eines zweiten Unternehmens

Als Unternehmen müssen Sie genau nachrechnen, ob sich diese Variante lohnt. Durch das zusätzliche Unternehmen fallen nämlich auch Kosten an. Damit ein Unternehmen in einer Gemeinde gegründet werden kann, muss dort ein Firmensitz bestehen. Es ist also notwendig, dass in dieser Gemeinde mindestens ein Büro angemietet wird.

Außerdem sind auch immer zwei Jahresabschlüsse zu erstellen. Dieser zusätzliche Kostenaufwand liegt bei mittleren und großen Unternehmen oft weit unter der Steuerersparnis.

Tipp: Rechnen Sie Ihre Gewerbesteuerersparnis aus, wenn Sie nur einen Hebesatz von 200 % zahlen müssten. Prüfen Sie, ob diese Ersparnis ausreicht, um die zusätzlichen Kosten zu decken und ob dann noch etwas Geld übrig bleibt.

 

 

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Andreas Reichert

Steuerberater

Als ehemaliger Softwareentwickler verbinde ich Steuerrecht, IT und Projektmanagement. Ich bin erst zufrieden, wenn komplizierte Dinge so sehr vereinfacht wurden, dass sie jedes Kind versteht.
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