Behandlungsraum einer Ärztin im privaten Keller ist häusliches Arbeitszimmer

Stetoskop im häuslichen Arbeitszimmer einer ÄrztinLängst nicht jeder, der zu Hause ein Zimmer beruflich nutzt, kann die Kosten steuermindernd geltend machen. Allzu oft stellen sich Finanzämter und Finanzgerichte quer. Diese Erfahrung machte auch eine Augenärztin, die sich zu Hause für Notfälle einen Behandlungsraum eingerichtet hatte. Woran die Ärztin steuerlich scheiterte und was andere Ärzte daraus lernen können, lesen Sie in diesem Beitrag.

Arbeiten zu Hause: Warum so oft darüber gestritten wird

Steuermindernd dürfen sich nur beruflich veranlasste Kosten auswirken. Das Arbeitszimmer in den eigenen vier Wänden ist naturgemäß eng mit der privaten Sphäre verbunden, eine strikte Trennung zwischen Beruf und Privat oft nur schwer möglich. Dementsprechend streng sind die Voraussetzungen für einen steuerlichen Abzug der Arbeitszimmerkosten. So darf der Raum zum Beispiel nicht zu viele private Einrichtungsgegenstände enthalten, die restliche Wohnung muss groß genug sein, das Arbeitszimmer darf so gut wie nicht privat genutzt werden, kein Durchgangszimmer sein und sich nicht in einer Ecke des Wohnzimmers oder auf einer nicht abgeschlossenen Galerie befinden, und so weiter – die Liste ließe sich beliebig fortführen.

Ebenso endlos erscheint die Anzahl der Gerichtsurteile zum Thema Arbeitszimmer zu sein. Ein paar davon haben wir Ihnen bei unserem letzten Streifzug durch die Rechtsprechung vorgestellt. Und es geht munter weiter.

Behandlungsraum im Keller: Darum ging es im aktuellen Fall

Eine Augenärztin betreibt zusammen mit zwei weiteren Ärztinnen und einem Arzt eine Gemeinschaftspraxis. In ihrem privaten Wohnhaus hatte sie sich im Keller einen Raum eingerichtet, um Patienten in Notfällen behandeln zu können. Die Ausstattung bestand aus einer Klappliege, einer Spaltlampe, einer Sehtafel an der Wand, einem Medizinschrank, Instrumenten und Hilfsmitteln, zum Beispiel um Fremdkörper entfernen zu können, einem kleinen Tisch zum Ausstellen von Rezepten und mehreren Stühlen.

Der Behandlungsraum verfügte über keinen separaten Eingang, sondern war nur über den Hauseingang im Erdgeschoss, den Flur und die Treppe in den Keller zu erreichen. Im Keller befanden sich darüber hinaus der Heizungsraum, ein Hauswirtschaftsraum, ein Waschraum und ein weiterer Raum. Der Flur im Erdgeschoss führte auch in das Schlafzimmer, die Küche, das Wohn- und Esszimmer und zum Gäste-WC.

Woran scheiterte die Ärztin?

Das Finanzamt störte sich vor allem daran, dass der Behandlungsraum keinen eigenen Eingang besaß. Darüber könnte man seiner Ansicht nach nur hinweg sehen, wenn die Praxisräume für die Patienten leicht zugänglich gewesen wären. Das waren sie aber hier nicht, da die Patienten einen privat genutzten Flur durchqueren mussten. Das Finanzamt lehnte deshalb einen Abzug der Kosten für den Behandlungsraum ab.

Auch mit der Klage vor dem Finanzgericht hatte die Augenärztin keinen Erfolg. Und hier hatte sie gleich doppeltes Pech. Denn die Richter entschieden zum einen, dass der Raum nicht als Notfallpraxis und damit nicht als Betriebsstätte anerkannt werden kann, weil es an einem separaten Eingang bzw. an der leichten Zugänglichkeit und damit „an der nach außen erkennbaren Widmung der Räumlichkeiten für den Publikumsverkehr“ fehlte. Zum anderen lagen aber auch die Voraussetzungen eines häuslichen Arbeitszimmers nicht vor. Denn die Notfallbehandlungen hätte die Ärztin auch in ihrer Praxis durchführen können. So konnte die Ärztin unter dem Strich überhaupt keine Kosten für den Behandlungsraum absetzen (Finanzgericht Münster, Urteil vom 14.7.2017, Az. 6 K 2606/15).

Warum ist es so wichtig, dass der Raum eine Betriebsstätte ist?

Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer dürfen grundsätzlich nur begrenzt geltend gemacht werden. 1.250 Euro pro Jahr – mehr ist nicht drin. Die Aufwendungen für eine Betriebsstätte sind dagegen nicht gedeckelt, sondern unbegrenzt abziehbar.

Im vorliegenden Fall war die Ärztin der Ansicht, dass eine Betriebsstätte vorlag. Und tatsächlich gibt es Argumente für eine solche:

  • Es findet dort regelmäßig Publikumsverkehr statt, d. h. es kommen Patienten zur Behandlung.
  • Der Raum ist mit entsprechenden Untersuchungsgeräten u. ä. ausgestattet und nicht büromäßig als Arbeitszimmer.

Gegen eine Betriebsstätte sprechen allerdings:

  • Der Raum liegt nicht außerhalb der Wohnung und ist zu den Privaträumen nicht ausreichend abgegrenzt.
  • Der Raum ist für den Betrieb nicht unbedingt erforderlich, da die Ärztin ihre Praxisräume für die Notfallbehandlungen nutzen könnte.

Wie geht es weiter?

Das letzte Wort hat der Bundesfinanzhof. Die Revision ist unter dem Az. VIII R 11/17 anhängig. Ob dieser den Argumenten der Ärztin folgt, bleibt abzuwarten. Ärzte, denen mit ähnlichen Argumenten die Kosten eines Behandlungsraums in der eigenen Wohnung gestrichen wurden, sollten auf jeden Fall Einspruch einlegen und auf das anhängige Verfahren verweisen.

Weitere interessante Urteile für Ärzte

Im Fall einer Ärztin, die zu Hause Gutachten über die Einstufung der Pflegebedürftigkeit erstellte, entschied der Bundesfinanzhof, dass der genutzte Raum keine Betriebsstätte darstellte. Denn er war nicht für Behandlungen von Patienten eingerichtet. Die Begutachtung der Patienten fand vor Ort statt. Immerhin wurde der Raum aber als häusliches Arbeitszimmer anerkannt, sodass diese Ärztin wenigstens ihre Kosten bis zu 1.250 Euro absetzen durfte (Bundesfinanzhof, Urteil vom 23.1.2003, IV R 71/00).

Anders lief es dagegen bei einem Arzt, der sich in seinem Wohnhaus nicht nur eine Arztpraxis eingerichtet hatte, sondern auch ein häusliches Arbeitszimmer. Da die Arztpraxis selbst so ausgestattet war, dass dort alle Arbeiten im Zusammenhang mit der betrieblichen Tätigkeit erledigt werden konnten, wurden die Kosten für das zusätzliche häusliche Arbeitszimmer nicht anerkannt. Wenigstens durfte er die Aufwendungen für die Praxis selbst steuerlich ansetzen (Bundesfinanzhof, Urteil vom 20.11.2003, IV R 30/03).

Silke Götz

Silke Götz

Steuerberaterin bei felix1.de
Silke Götz ist Steuerberaterin bei der felix1.de-Niederlassung in Meiningen.
Silke Götz

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