44-Euro-Grenze nutzen und Arbeitnehmer mit Sachprämien glücklich machen

44-Euro-Grenze-nutzen-Arbeitnehmer-mit-Sachprämien-glücklich-machenWaren-, Tank-, Einkaufsgutscheine, Jobtickets, Sachprämien und andere Sachbezüge sind bei Arbeitnehmern wie bei Arbeitgebern sehr beliebt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie bis zu 44 Euro im Monat steuerfrei sind. Allerdings muss der Arbeitgeber einiges beachten, um diese Freigrenze in Anspruch nehmen zu können. Dies zeigt auch ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg. Lesen Sie, wo die Stolpersteine lauern.

Einst als Vereinfachung gedacht hat sich die 44-Euro-Freigrenze fast schon zu einem bürokratischen Monster entwickelt. Die Knackpunkte der Regelung haben wir deshalb im Folgenden für Sie kurz dargestellt.

Das größte Problem: Wird der Betrag von monatlich 44 Euro überschritten, ist die Sachleistung in voller Höhe steuerpflichtig. Das gilt es natürlich zu vermeiden.

Beispiel 1: Ein Jobticket kostet 50 Euro pro Monat. Übernimmt der Arbeitgeber diese Kosten, könnte durch eine Zuzahlung des Arbeitnehmers in Höhe von 6 Euro die 44-Euro-Grenze eingehalten werden.

Die 44 Euro gibt es nicht für jeden einzelnen Sachbezug, sondern insgesamt pro Monat nur einmal für alle Sachbezüge.

Beispiel 2: Der Arbeitgeber finanziert nicht nur das Jobticket (vgl. Beispiel 1), sondern überreicht den Arbeitnehmern einmal im Jahr im Juli als kleine Anerkennung einen Warengutschein in Höhe von 30 Euro. Im Juli wird die 44-Euro-Grenze überschritten, da die Sachbezüge insgesamt einen Wert von 74 Euro haben (44 Euro Jobticket + 30 Euro Gutschein).

Nicht ausgeschöpfte Beträge eines Monats können nicht auf andere Monate übertragen werden.

Beispiel 3: Der Arbeitgeber übernimmt die Kosten für ein Jobticket in Höhe von 30 Euro monatlich. Weitere Sachbezüge erhalten die Arbeitnehmer nicht. Die nicht ausgeschöpften 14 Euro pro Monat verfallen. Der Arbeitgeber kann diesen Betrag nicht „ansparen“, um zum Beispiel eine jährliche Sachprämie auszugeben.

Die 44 Euro gelten pro Monat und können nicht zu einem Jahresbetrag zusammengefasst werden.

Beispiel 4: Der Arbeitnehmer erhält während des Jahres keinerlei Sachbezüge. Zum Abschluss eines großen Projekts überreicht ihm der Arbeitgeber im September einen Einkaufsgutschein in Höhe von 500 Euro. Dieser Betrag übersteigt im Monat September die Grenze von 44 Euro und ist damit in voller Höhe steuerpflichtig.

Auch Versand- und Handlingkosten gehören zu den Sachbezügen und müssen dementsprechend bei der Prüfung, ob die 44-Euro-Grenze eingehalten wird, berücksichtigt werden.

Das hat das Finanzgericht Baden-Württemberg jetzt entschieden (Urteil vom 8.4.2016, 10 K 2128/14, Revision eingelegt, VI R 32/16).

Beispiel 5: Der Arbeitnehmer darf sich als Belohnung für korrektes Verhalten am Arbeitsplatz (unfallfreies Fahren, pfleglicher Umgang mit den Fahrzeugen des Arbeitgebers) Waren auf Kosten des Arbeitgebers bestellen, und zwar bis zu einem Wert von 44 Euro monatlich. Der Arbeitgeber zahlt jedoch nicht nur den Warenwert, sondern übernimmt auch die Versand- und Handlingkosten von 7,14 Euro pro Bestellung. Da diese Aufwendungen ebenfalls zu den Sachbezügen gezählt werden, wird die 44-Euro-Grenze überschritten (44 Euro + 7,14 Euro = 51,14 Euro).

Aufmerksamkeiten, die der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern wegen eines Geburtstags, eines Firmenjubiläums oder eines anderen persönlichen Ereignisses zuwendet, werden nicht in die 44-Euro-Grenze mit eingerechnet.

Denn diese Aufmerksamkeiten sind bis zu 60 Euro steuerfrei und können neben den Sachbezügen gewährt werden.

Beispiel 6: Der Arbeitnehmer erhält als Sachbezug monatlich Tankgutscheine im Wert von jeweils 44 Euro. Zu seinem 40. Geburtstag überreicht der Arbeitgeber ihm einen Einkaufsgutschein in Höhe von 60 Euro. Der Tankgutschein ist als Sachbezug steuerfrei, da sein Wert die 44-Euro-Grenze nicht übersteigt. Auch der Einkaufsgutschein ist als Aufmerksamkeit steuerfrei, weil sein Wert nicht über 60 Euro liegt.

Tipp: Mit welchen weiteren steuerfreien Extras Sie Ihre Mitarbeiter beglücken können, lesen Sie im Beitrag „9 Tipps für Arbeitgeber: So motivieren Sie Ihre Mitarbeiter mit steuerfreien Extras“.

 

Britta Kurreck-Hohaus

Britta Kurreck-Hohaus

Rechtsanwältin und Steuerberaterin bei felix1.de
Britta Kurreck-Hohaus ist Rechtsanwältin und Steuerberaterin bei der felix1.de-Niederlassung in Hamm.
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