3 Steuertipps zum Jahresende

steuertipps-zum-jahresendeWenn Sie noch in diesem Jahr Steuern sparen wollen, sollten Sie sich ranhalten. Denn knallen erst einmal die Sektkorken und steigen die Silvesterraketen, ist es dafür zu spät.

Tipp 1: Neue Brille und Zahnsanierung: Optimieren Sie Ihre Krankheitskosten

Wer krank ist, geht zum Arzt, zeigt seine Versichertenkarte und die Krankenkasse bezahlt die Behandlungskosten. Allzu oft bleibt jedoch ein Teil der Aufwendungen am Patienten hängen. Das gilt zum Beispiel bei einer neuen Brille, Zahnersatz, Zahnsanierungen, Reinigung der Zähne, Krankengymnastik, Kuren, Massagen, orthopädischen Einlagen und Schuhen, Rezepten, Krankenhausaufenthalten usw. Da können im Jahr schnell ein paar hundert Euro an Zuzahlungen zusammen kommen.

Erfreulicherweise dürfen Sie Ihre Krankheitskosten, die die Krankenkasse nicht übernimmt, steuerlich als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Das gilt aber leider nur, wenn Ihre Ausgaben eine bestimmte Grenze überschreiten – was weniger erfreulich ist.

Diese Grenze ist die zumutbare Belastung. Sie bewirkt, dass Sie Ausgaben bis zu einem bestimmten Betrag selber tragen müssen und nur darüber hinausgehende Kosten steuerlich abziehen können. Je höher Ihr Einkommen ist, desto höher ist auch die zumutbare Belastung. Bei verheirateten Steuerpflichtigen ist die zumutbare Belastung geringer als bei Alleinstehenden. Haben Sie Kinder, fällt Ihre zumutbare Belastung kleiner aus als bei kinderlosen Steuerpflichtigen.

Wie hoch Ihre zumutbare Belastung und Ihre Krankheitskosten genau sind, wissen Sie meist erst, wenn Sie die Steuererklärung für das Vorjahr erstellen. Dann ist es jedoch zu spät, um steuerlich noch etwas zu optimieren. Darum müssen Sie sich früher kümmern – am besten jetzt! Und das geht so:

Zuerst rechnen Sie sich aus, wie hoch Ihre zumutbare Belastung ungefähr sein wird. Dazu brauchen Sie Ihr Jahreseinkommen. Als Angestellter ziehen Sie davon der Einfachheit halber den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro ab. Als Freiberufler, Selbstständiger oder Gewerbetreibender rechnen Sie Ihre tatsächlichen betrieblichen Ausgaben heraus, also zum Beispiel Aufwendungen für Arbeitsmittel, Berufskleidung, häusliches Arbeitszimmer, Fachliteratur, Werkzeuge usw.  Rechnen Sie so alle Ihre Einkünfte zusammen.

Mit dem so ermittelten Gesamtbetrag der Einkünfte können Sie Ihre zumutbare Belastung anhand der folgenden Tabelle berechnen.

Die zumutbare Belastung beträgt

bei einem Gesamtbetrag
der Einkünfte
bis
15 340
EUR
über
15 340
EUR
bis
51 130
EUR
über
51 130
EUR
1. bei Steuerpflichtigen, die keine Kinder haben und
alleinstehend sind 5 6 7
verheiratet sind und die Zusammenveranlagung wählen 4 5 6
2. bei Steuerpflichtigen mit
einem Kind oder zwei
Kindern,
2 3 4
drei oder mehr Kindern 1 1 2
Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte.

 

Beispiele:

  • Frau Glas ist alleinstehend und verdient pro Jahr 40.000 Euro. Nach Abzug des Arbeitnehmer-Pauschbetrags ergibt sich ein Gesamtbetrag der Einkünfte von 39.000 Euro. Die zumutbare Belastung von Frau Glas beträgt 6 % davon, also 2.340 Euro.
  • Das Ehepaar Schäffer hat ebenfalls einen Gesamtbetrag der Einkünfte von 39.000 Euro. Ihre zumutbare Belastung liegt bei 5 % bzw. 1.950 Euro.
  • Das Ehepaar Mantel hat zwei Kinder. Bei ihrem Gesamtbetrag der Einkünfte von 39.000 Euro haben sie eine zumutbare Belastung von 3 % bzw. 1.170 Euro.

Anschließend zählen Sie Ihre Krankheitskosten, die Sie bisher in diesem Jahr hatten, zusammen.

Und warum das alles? Ganz einfach: Je nachdem, wie hoch Ihre bisherigen Ausgaben waren und ob Sie noch in diesem Jahr oder erst im nächsten Jahr teure Behandlungen planen, können Sie steuerlich etwas bewegen. Ein Verschieben der Kosten für eine Zahnsanierung kann sich zum Beispiel lohnen, wenn Sie jetzt schon wissen, dass Sie im nächsten Jahr eine neue Brille benötigen. Übersteigen Ihre bisherigen Ausgaben bereits die zumutbare Belastung, sollten Sie die neue Brille am besten in diesem Jahr anschaffen. Das gilt vor allem dann, wenn im nächsten Jahr keine oder nur wenige Ausgaben vorgesehen sind. Ihre Strategie sollte also sein, Ausgaben zu bündeln und möglichst in einem Kalenderjahr zusammen zu fassen.

Beispiel:

Herr Isler hat im Jahr 2016 eine zumutbare Belastung von voraussichtlich 1.500 Euro. Bis Oktober 2016 hat er bereits Krankheitskosten von 2.000 Euro. Damit hat er jetzt schon die Grenze der zumutbaren Belastung überschritten. Deshalb würde es sich für Herrn Isler lohnen, eventuell im Jahr 2017 geplante Ausgaben noch 2016 zu verwirklichen. Er hätte damit einen Vorteil von 1.500 Euro.

Wichtig: Machen Sie Ihre Kosten auf jeden Fall auch geltend, wenn diese unter der zumutbaren Belastung liegen. Zwar haben die Finanzgerichte und der Bundesfinanzhof diese Art der Eigenbeteiligung abgesegnet, doch das letzte Wort hat das Bundesverfassungsgericht. Das Finanzamt wird zwar den Abzug Ihrer Krankheitskosten erst einmal ablehnen. Ihr Steuerbescheid ist aber in diesem Punkt vorläufig, sodass Sie von einem eventuellen positiven Urteil des Bundesverfassungsgerichts profitieren.

Tipp 2: Haushaltshilfen, Handwerker, Minijobs – so nutzen Sie die Förderung ideal aus

Schornsteinfeger, Fliesenleger, Fensterputzer, Reinigungsdienst und Ihre Haushaltshilfe haben eins gemeinsam: Für Ihre Ausgaben können Sie Steuerermäßigungen in Anspruch nehmen.

So hoch ist die Steuerermäßigung

Tätigkeit Ermäßigung der Einkommensteuer um
haushaltsnahe Dienstleistungen 20 % der Aufwendungen

max. 4.000 Euro pro Jahr

haushaltsnahe Handwerkerleistungen 20 % der Aufwendungen

max. 1.200 Euro pro Jahr

geringfügige Beschäftigung im Haushalt (Minijob) 20 % der Aufwendungen

max. 510 Euro pro Jahr

Wenn Sie genau rechnen und gut planen, holen Sie das Maximum an Förderung heraus. Denn: Diese drei Steuerermäßigungen können Sie nebeneinander in Anspruch nehmen.

Tipp: Behalten Sie die Höchstbeträge im Blick. Stellen Sie fest, dass zum Beispiel der Höchstbetrag für Handwerkerleistungen schon erreicht ist, lohnt es sich, weitere Aufträge erst im nächsten Jahr zu vergeben. Ein ausführliches Beispiel finden Sie im Beitrag Haushaltsnahe Dienstleistungen: Gut zum Steuern sparen!

Übrigens: Der Bundesfinanzhof war im letzten Jahr ziemlich großzügig und hat die Steuerermäßigung für Leistungen gewährt, die das Finanzamt nicht anerkennen wollte:

  • Mess- und Überprüfungsarbeiten gehören grundsätzlich zu den Handwerkerleistungen, zum Beispiel eine Dichtheitsprüfung einer Abwasserleitung und eine Feuerstättenschau des Schornsteinfegers.
  • Arbeiten rund um den Anschluss Ihres Hauses an die Wasser-, Abwasser- und Energieversorgung sind ebenfalls steuerbegünstigte Handwerkerleistungen.
  • Arbeitskosten eines Handwerkers können auch dann steuerlich gefördert werden, wenn die Arbeiten teilweise in dessen Werkstatt erledigt werden.
  • Die Notrufanlage im eigenen Haushalt stellt eine haushaltsnahe Dienstleistung dar.
  • Der Winterdienst ist eine begünstigte Dienstleistung, auch wenn der Gehweg öffentlicher Grund ist. Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel „5 Fälle, in denen der Winterdienst steuerlich absetzbar ist“.

Tipp 3: Geld ausgeben und Steuern sparen? Ja, aber richtig

Wer Geld ausgibt, um Steuern zu sparen, macht in der Regel kein gutes Geschäft. Denn das Finanzamt finanziert Ihre Neuanschaffung nicht zu 100 %, sondern höchstens in Höhe Ihres persönlichen Grenzsteuersatzes – und der liegt bei maximal 45 %.

Darüber hinaus wirken sich bestimmte Ausgaben erst dann steuermindernd aus, wenn die entsprechenden Pauschbeträge überschritten werden. Als Angestellter müssen Sie insbesondere den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro beachten. Mit ein paar neuen Stiften und Ordnern ist diese Grenze nicht zu knacken. Selbst mit einem neuen Laptop bleiben Sie meist unter diesem Betrag.

Machen Sie also nicht den Fehler und geben Sie unnötig Geld aus, um damit vermeintlich Steuern zu sparen. Rechnen Sie unbedingt vorher nach, ob sich die Ausgabe tatsächlich lohnt, und schaffen Sie nur das an, was Sie auch wirklich brauchen. Das spart dann vielleicht keine Steuern, schont aber ganz gewiss Ihren Geldbeutel.

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Andreas Reichert

Steuerberater und Vorstand bei felix1.de
Als ehemaliger Softwareentwickler verbinde ich Steuerrecht, IT und Projektmanagement. Ich bin erst zufrieden, wenn komplizierte Dinge so sehr vereinfacht wurden, dass sie jedes Kind versteht.
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Als ehemaliger Softwareentwickler verbinde ich Steuerrecht, IT und Projektmanagement. Ich bin erst zufrieden, wenn komplizierte Dinge so sehr vereinfacht wurden, dass sie jedes Kind versteht.