Wie werden Bitcoins besteuert?

Bitcoins Das Thema Bitcoin ist in aller Munde, nicht zuletzt wegen der enormen Kursschwankungen. Viele denken über den Erwerb von Bitcoins nach. Doch man sollte sich auch über die steuerliche Seite Gedanken machen. Wir erklären, wie Bitcoins steuerlich behandelt werden.

Ein ständiges Auf und Ab: Seit Dezember 2017 hat sich der Bitcoin-Wert halbiert. Dann stieg er wieder kräftig an, nun fällt er wieder etwas ab. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, mögen sich viele denken. Doch einige vergessen dabei einen wichtigen Aspekt: Welche Steuern muss man zahlen, wenn man sich Bitcoins zulegt?

Was sind Bitcoins?

Steuerlich zu unterscheiden sind zwei Sachverhalte: Das Herstellen von Bitcoins (sog. Mining) auf der einen Seite und der Handel mit Bitcoins, also das An- und spätere Verkaufen, auf der anderen.

Um dies zu verstehen, sollte zunächst klar sein, was Bitcoins eigentlich sind. Bitcoin ist ein Zahlungssystem, das komplett ohne Banken funktioniert. Statt der Bank gibt es ein dezentrales Netzwerk von Benutzern, die untereinander Daten austauschen. In dieser Datenbank (Blockchain) werden alle Bitcoins und Zahlungsvorgänge verzeichnet. Wer durch das Mining neue Blöcke erzeugt, schöpft damit neue Bitcoins und bestätigt die neuen und offenen Transaktionen.

Fakt ist also: Der Bitcoin unterliegt keiner Aufsicht durch Banken und auch keinen staatlich festgelegten Regelungen. Alle sprechen beim Bitcoin von einer Währung – aber sollte man sich angesichts dieser Fakten nicht fragen: Ist der Bitcoin dann überhaupt eine Währung? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Denn diese Frage wird je nach Steuerart unterschiedlich beantwortet.

Ertragsteuerlich gesehen ist der Bitcoin keine Währung

Die Einkommen-/Körperschaftsteuer bzw. Gewerbesteuer stuft den Bitcoin nicht als Währung ein. Der Bitcoin hat einen eigenständigen Wert, auf den man die Einkommensteuer erheben kann. Bitcoins gelten als sog. immaterielle Wirtschaftsgüter. Demnach können der Erwerb und der Verkauf auch besteuert werden. Es handelt sich um sonstige Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften.

Die Steuerpflicht entfällt, wenn der Gesamtgewinn im Kalenderjahr die Freigrenze von 600 Euro überschreitet, d. h. ab einem Gewinn von 600 Euro ist der gesamte Gewinn zu versteuern und nicht nur der 600 Euro übersteigende Teil.

Und was ist nun, wenn das ganze private Zwecke überschreitet?

Wird der Umfang normaler privater Vermögensverwaltung überschritten, können Transaktionen mit Bitcoins einen Gewerbebetrieb begründen. Die Zuordnung der Bitcoins zum bereits vorhandenen Betriebsvermögen ist aber nur bei konkretem betrieblichem Bezug möglich.

Deshalb bleiben realisierte Verluste in der Regel auf der privaten Vermögensebene und können nur mit Gewinnen aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden. So sind Bitcoinverluste beispielsweise auch nicht mit Gewinnen aus Wertpapiergeschäften, wie Aktien, Derivaten etc. verrechenbar, die seit 2009 zu den Einkünften aus Kapitalvermögen zählen.

Ermittlung des Gewinns

Weitere Voraussetzung für die Besteuerung privater Veräußerungsgeschäfte ist, dass Erwerb und Veräußerung innerhalb eines Jahres stattfinden. Das heißt im Umkehrschluss: Wer die Bitcoins länger als ein Jahr hält, muss keine Steuern zahlen.

Und hier kommen wir zum nächsten Problem: Was ist, wenn Bitcoins zu unterschiedlichen Zeitpunkten und damit zu unterschiedlichen Kursen gekauft wurden? Auch hier gibt es eine Handhabe: Die „first-in-first-out-Methode“. Hiernach gelten die Bitcoins als zuerst verkauft, die auch zuerst angeschafft wurden.

Und so wird der Gewinn ermittelt:

  • Veräußerungspreis minus Anschaffungskosten
  • Relevant sind die Bitcoins, die am längsten im Bestand sind
  • Gilt auch für die Ermittlung der Haltefrist
  • Abzug von Werbungskosten

Beispiel: Sie kaufen am 9.1.2017 einen Bitcoin für 814,27 Euro. Am 3.7.2017 erwerben Sie einen weiteren Bitcoin für 2.243,70 Euro. Am 15.1.2018 verkaufen Sie einen Bitcoin für 9.919,15 Euro. Den zweiten Bitcoin verkaufen Sie am 19.2.2018 für 8.611,58 Euro.

Verkauf am 15.1.2018

Der Verkauf des am 9.1.2017 erworbenen Bitcoins ist steuerfrei, weil die 1-jährige Frist abgelaufen ist.

Verkauf am 19.2.2018

Der Gewinn ermittelt sich wie folgt: 8.811,58 Euro Veräußerungspreis abzüglich 2.243 Euro Anschaffungskosten (am 3.7.2017 erworbener Bitcoin) ergibt einen Gewinn von 6.367,88 Euro. Diesen müssen Sie versteuern, da die 1-Jahres-Frist nicht noch nicht abgelaufen ist.

Hingabe als Zahlungsmittel

Wie sieht es denn eigentlich aus, wenn man die Bitcoins nicht verkauft, sondern damit Ware oder eine Dienstleistung bezahlt? Hier hat das Finanzministerium Hamburg (FinMin der Freien und Hansestadt Hamburg, 11.12.2017, S 2256 – 2017/003-52) kürzlich klargestellt: Wer Bitcoins als Zahlungsmittel einsetzt, der veräußert sie ganz genauso. Folge auch hier: Es handelt sich um Einkünfte aus privater Veräußerung, die wie oben beschrieben besteuert werden. Veräußerungspreis ist dann der Wert, den die dafür erhaltene Ware oder Dienstleistung hat.

Umsatzsteuerlich sieht das Ganze anders aus

Aus umsatzsteuerlicher Sicht spielen hingegen ganz andere Faktoren eine Rolle. Die Frage, ob der Bitcoin eine Währung ist, hat sich der Europäische Gerichtshof 2015 bereits gestellt (Entscheidung vom 22.10.2015, C-264/14). Ergebnis: Beim Umtausch von Bitcoins in eine konventionelle Währung und umgekehrt handelt es sich um eine Dienstleistung gegen Entgelt, die steuerfrei ist(§ 4 Nr. 8b) UStG). Damit ist der Bitcoin nach der EuGH-Rechtsprechung also eine Währung.

BMF bezieht Stellung zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Bitcoins

Dies hat das BMF in einem aktuellen Schreiben noch einmal ausdrücklich im klargestellt (BMF-Schreiben vom 27.2.2018, III C 3 – S 7160-b/13/10001).

Auch zur umsatzsteuerlichen Behandlung von weiteren Sachverhalten rund um Bitcoins hat das BMF in dem Schreiben Stellung bezogen:

Danach ist die Leistung des Miners nicht steuerbar, weil es an einem Leistungsaustausch fehlt. Das gilt zum einen für die Transaktionsgebühr, die andere Nutzer freiwillig an den Miner zahlen. Hier fehlt es laut BMF an einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Leistung des Miners. Zum anderen fehlt es auch bei der Entlohnung durch Erhalt neuer Bitcoins am Leistungsaustausch. Grund: Der Leistungsempfänger ist nicht identifizierbar.

Das Anbieten von elektronischen Geldbörsen („Wallets“) kann dagegen nach dem BMF steuerbar und steuerpflichtig sein. Voraussetzung: Das Wallet wird, z.B. als App in einem App-Store, gegen Zahlung von Gebühren angeboten. Dann handelt es sich um einen auf elektronischem Weg erbrachte sonstige Leistung (§ 3a Abs. 5 2 Nr. 3 UStG, § 3a Abs. 2, Abs. 5 S.1 UStG).

Wer Bitcoin-Händlern und –Erwerbern auf seiner Internetseite einen technischen Marktplatz zur Verfügung stellt, ermöglicht eine reine EDV-technische Abwicklung. Folge: Keine Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 8 UStG. Anders sieht es aus, wenn der Betreiber als Mittelsperson im eigenen Namen Bitcoins kauft und verkauft. Hierin kann eine Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 8 b UStG liegen.

Fazit: Erfreulich ist, dass immer mehr Bewegung in das Thema steuerliche Behandlung von Bitcoins kommt. Wie lange der Handel mit bzw. das Mining von Bitcoins noch von Erfolg gekrönt sein wird, steht auf einem anderen Blatt.