Künstler ist nicht gleich Künstler: Wer darf in die Künstlersozialkasse?

Welche Künstler dürfen in die KünstlersozialkasseDie Künstlersozialkasse wurde mit dem Ziel geschaffen, selbstständig tätigen Künstlern und Publizisten eine gesetzliche Sozialversicherung zu ermöglichen. Wir erklären, was es mit der beliebten KSK auf sich hat und wer Mitglied sein darf.

Bereits 1983 gründete der Gesetzgeber die Künstlersozialkasse (KSK). Rund 180.000 Freischaffende machen von der Absicherung derzeit Gebrauch – Tendenz steigend.  Und das hat vor allem einen Grund: Künstler und Publizisten, die in der KSK Mitglied sind, zahlen nur die Hälfte der Beiträge zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Sie werden damit sozialversicherungsrechtlich wie Angestellte behandelt.

Zum Hintergrund der KSK

Politisch wollte man mit der Schaffung der KSK die Pressefreiheit stärken. Denn viele freischaffende Künstler können ihre Beiträge und Werke nur an wenige Verlage verkaufen. Diesen systemischen Vermarktungsnachteil gegenüber anderen Berufsgruppen wollte der Gesetzgeber mit der Schaffung der KSK ausgleichen.

Das Beitragsaufkommen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr kommt zur Hälfte von den Künstlern, die andere Hälfte steuert zu 30 Prozent der Staat bei. Den Rest zahlen Verlage und Unternehmen, die die künstlerischen Leistungen in Anspruch nehmen.

Ein Unternehmen etwa, das seine Homepage für 2.000 Euro von einem selbstständigen Webdesigner erstellen lässt, zahlt zunächst an den Webdesigner den vollen Rechnungsbetrag aus. Anschließend überweist es weitere 5,2 Prozent an Künstlersozialabgabe an die KSK – im Beispiel also 104 €. Erfreulich: Ab dem 1.1.2017 sinkt der Abgabesatz auf 4,8 Prozent.

Wer ist Künstler?

Voraussetzung für die Versicherungspflicht ist zunächst, dass eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend ausgeübt wird. Künstler ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt. Publizist ist, wer als Schriftsteller, Journalist oder in ähnlicher Weise wie ein Schriftsteller oder Journalist tätig ist.

Ob Designer, Fotograf, Grafiker oder Karikaturist – sie alle sind im Grunde genommen Kunstschaffende. Doch genau das sieht die KSK nicht immer so. Dann kommt es zu Statusklagen, die oft bis vor das Bundessozialgericht gehen.

Statusklagen nehmen zu

Diese Erfahrung musste auch eine Tanzpädagogin machen, die an mehreren Tanz- und Musikschulen Kurse in Jazzdance, Modern Dance, Hip Hop und Kindertanz gab. Die KSK lehnte ihre Aufnahme ab. Begründung: Bei der Tätigkeit handele es sich um Sport, nicht um Kunst. Unsinn, meinte am Ende das Bundessozialgericht in Kassel. Die Pädagogin bereite schließlich ihre Schüler auf eine spätere Bühnenpräsenz vor. Die körperliche Fitness stehe nicht im Vordergrund (Urteil vom 25.11.2015, Az.: B 3 KS 3/14 R).

Wann der Künstlerstatus wackelt

Auch wenn der Rechtsstreit im entschiedenen Fall für die Bewerberin positiv ausgegangen ist: Künstler ist nicht gleich Künstler. Das zeigen die folgenden Fallgruppen:

  1. So werden derzeit etwa Tätowierer, Floristen oder Kunsthandwerker nicht als Mitglieder in der KSK aufgenommen, weil sie eher eine handwerkliche oder technische Tätigkeit ausüben.
  2. Auch eine rein pädagogische Tätigkeit spricht gegen die Künstlereigenschaft, wie z.B. das Videofilmen als Teil einer Resozialisierungsmaßnahme für Strafgefangene oder das Training von Hauptschulabsolventen für Bewerbungsgespräche.
  3. Auch kaufmännische Tätigkeiten wie Rhetorikkurse in Marketingseminaren oder das Modeln sind ebenso wenig Kunst wie sportliche Tätigkeiten bei Catchern oder Rhythmik-Lehrern.
  4. Dasselbe Schicksal trifft therapeutische Tätigkeiten. So wird eine Krankenschwester nicht dadurch zur Künstlerin, dass sie eine Clownsnase trägt. Auch Stimm- und Kunsttherapeuten sind keine Künstler, selbst wenn sie mit ihrer Arbeit „Wunder“ vollbringen sollten.

Scheinselbstständige haben keine Chance

Doch nicht nur die Kunstfrage wird bei der Aufnahme in die KSK geprüft. Die künstlerische oder publizistische Tätigkeit muss zudem selbständig ausgeübt werden.

Selbständig ist die künstlerische oder publizistische Tätigkeit nur, wenn ihr keine abhängige Beschäftigung im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses zugrunde liegt. Auch scheinselbstständigen Bewerbern, die ihr Geld nur von einem Auftraggeber erhalten oder vertraglich dessen Weisungen unterliegen, verweigert die KSK die Aufnahme. Dasselbe Schicksal teilen Künstler, die selbst mehr als einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen.

Fazit: Die KSK kann durchaus andere Vorstellungen von der Eigenschaft eines Künstlers haben, als der selbsternannte Künstler. Wer es aber erst einmal geschafft hat, genießt Vorteile. Lesen Sie mehr dazu in unserem Folgeartikel „Soziale Absicherung statt brotloser Kunst: Vorteile der Künstlersozialkasse“.

 

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Annika Haucke

Rechtsanwältin bei felix1.de
Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.
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Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.