Elektronische Spendenbescheinigung: Endlich wird sie akzeptiert

Elektronische-spendenbescheinigungDas wurde auch Zeit: Die Finanzämter akzeptieren künftig elektronische Spendenbescheinigungen. Diese Regelung ist Teil eines großen digitalen Plans. Wir verraten, was für Spenden gilt und was sich ändert.

Gemeinnützige Organisationen können künftig selbst entscheiden, in welcher Form sie Zuwendungen quittieren: wie bisher als Brief oder per E-Mail. Hauptsache die Bescheinigung entspricht den amtlichen Vorgaben. So hat es das Bundesfinanzministerium in einem Erlass vom 6. Februar 2017 festgelegt – eine Erleichterung, die ganz im Sinne der Steuerpflichtigen sein dürfte.

Welche Spenden sind überhaupt abziehbar und wie hoch?

Spenden, mit denen Sie bestimmte Vereine oder auch politische Parteien unterstützen möchten, sind in begrenzter Höhe als Sonderausgaben absetzbar.

Wichtige Voraussetzung: Der Spendenempfänger verfolgt einen als förderungswürdig anerkannten Zweck, er muss z.B. mildtätig, kirchlich, religiös oder wissenschaftlich unterwegs sein. Außerdem darf der Spender keine Gegenleistung erhalten. Wer z.B. bei einer Wohlfahrtstombola Lose kauft, UNICEF-Grußkarten erwirbt oder Eintrittsgelder zu Benefizkonzerten oder Wohltätigkeitsveranstaltungen zahlt, spendet nicht.

Und: Bei 20 % der gesamten Jahreseinkünfte ist mit dem Abzug als Sonderausgaben Schluss. Wer in einem Jahr mehr gibt, kann erst in den folgenden Jahren seine Steuer senken.

Sie müssen Ihre Zuwendung nachweisen

Bisher brauchen Sie dafür eine Spendenbescheinigung, die der Empfänger auf einem amtlichen Vordruck ausstellen muss. Hierzu hat die Verwaltung insgesamt sage und schreibe 18 verschiedene Muster vorgegeben – je nach Empfänger und Art der Spende.

Wenn nicht mehr als 200 Euro fließen, reicht übrigens der Zahlungs- oder Buchungsbeleg.

Wichtig: Wenn die Spendenbescheinigung zu spät beim Finanzamt eintrudelt, ist der Steuervorteil futsch. Denn: Ist Ihr Steuerbescheid bestandskräftig, geht beim Sonderausgabenzug nichts mehr.

Spendennachweis wird einfacher

Ab der Steuererklärung 2017 wird Spendern der Nachweis erleichtert: Sie müssen die Bestätigung nicht mehr automatisch mit der Steuererklärung abgeben, sondern erst dann, wenn das Finanzamt sie ausdrücklich anfordert. Erst ein Jahr, nachdem Sie Ihren Steuerbescheid erhalten haben, dürfen Sie den Beleg dann entsorgen – wenn der Finanzbeamte ihn nicht vorher sehen will. Solange müssen sie ihn aufbewahren.

Für die Steuererklärung 2016 bleibt aber noch alles beim Alten: Sie müssen den Beleg einreichen, wenn der Spendenempfänger ihn nicht direkt ans Finanzamt übermittelt. Selbst wenn Sie Ihre Steuererklärung per ELSTER, also elektronisch versenden, müssen Sie Ihre Spendenquittung bisher per Post an das Finanzamt schicken.

Der große Plan: Die Besteuerung wird digital

Das Ganze ist keine Spezialregelung für Spenden, sondern Teil eines großen Plans: Nach dem Willen der Bundesregierung soll die Besteuerung digitaler und damit für die Verwaltung, aber auch die Bürger einfacher und effizienter werden. Dazu ist im letzten Jahr das umfassende „Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“ beschlossen worden.

Bereits jetzt sind weite Teile der Besteuerung digitalisiert: von der Steuererklärung per ELSTER über automatisch erlassene Steuerbescheide bis hin zu online abrufbaren Einspruchsentscheidungen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel „Modernisierung des Besteuerungsverfahren, Verspätungszuschlag, Fristverlängerung“. Und das ist noch nicht der letzte Schritt. Wir freuen uns auf die digitale Zukunft in der einst so verstaubten Finanzverwaltung.

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Annika Haucke

Rechtsanwältin bei felix1.de
Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.
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Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.