Internetauktionen bei eBay: Wann verkaufe ich gewerblich?

Internetauktionen über eBay und Co. können das private Maß überschreiten und gewerbliche Ausmaße annehmen, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Das Hessische Finanzgericht hatte erst kürzlich wieder einen solchen Fall zu entscheiden – das ist für uns Anlass genug, die wichtigsten Infos zur Frage „Wann bin ich eigentlich gewerblicher Onlinehändler?“ zusammenzutragen.

Oft sind es alte Klamotten, die aussortiert werden oder wertvolle Platten, die man beim Ausmisten findet. Zum Wegschmeißen zu schade, fragt man sich: Warum nicht einfach über eBay verkaufen? So ging es wohl schon vielen. Nun ist es aber oft so, dass sich daraus ein regelrechtes Hobby entwickelt, mit dem man plötzlich viel Zeit verbringt – und Geld verdient. Dann sollte man sich irgendwann die Frage stellen: Ist das eigentlich noch privat oder schon gewerblich? Um sicherzugehen, dass das Finanzamt das genauso sieht, sollte man aber die Kriterien kennen, nach denen eine Einstufung als privater oder gewerblicher eBay-Verkäufer beurteilt wird.

Checkliste: Wann bin ich gewerblicher eBay-Verkäufer?

Vorneweg: Sie müssen nicht alle Fragen mit „Hoch“ beantworten, um nachhaltig und damit gewerblich tätig zu sein. Vielmehr handelt es sich um Indizien, die je nach Einzelfall unterschiedlich gewichtet werden.

Ihre gewerbliche Tätigkeit richtet sich nach

  • der Dauer und Intensität des Verkaufens,
  • der Höhe der Entgelte,
  • der Beteiligung am Markt,
  • der Zahl der ausgeführten Umsätze,
  • der Planmäßigkeit und
  • der Vielfalt des Warenangebots.

Das Schwierige ist nun: Diese Kriterien sind nicht abschließend und werden je nach Einzelfall unterschiedlich gewichtet. Die Einstufung richtet sich also immer nach dem Gesamtbild der Verhältnisse. Dass es hier unterschiedliche Ansichten geben kann, zeigt ein aktueller Fall des Hessischen Finanzgerichts (Urteil vom 19.7.2018, Aktenzeichen 2 K 1835/16).

Fehlendes Ladenlokal unerheblich

In dem Urteil ging es um eine Frau, die bei Haushaltsauflösungen immer mal wieder Gegenstände kaufte und bei eBay verkaufte – teilweise zum Mindestgebot von einem Euro und damit unter dem Einkaufspreis. Dafür richtete sie vier eBay-Konten und zwei Girokonten ein, führte über fünf Jahre zwischen 260 und gut 1.000 Auktionen jährlich durch und machte damit Umsätze von insgesamt 370.000 Euro. Sie selbst sah darin nur ein Hobby, ihr mache es Spaß zuzuschauen, wie kurz vor Ablauf der Auktionen die Preise überboten würden.

Das Finanzamt und das Finanzgericht sahen das anders und stuften ihre Tätigkeit als wirtschaftlich, also nachhaltig gewerblich ein. Entscheidend war für die Richter insbesondere: Sie war über fünf Jahre aktiv und die Zahl der Verkäufe war beträchtlich. Der administrative Aufwand war hoch (Bilder erstellen, Zahlungseingang überwachen, Ware versenden etc.). Sie war auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko tätig und wollte die Verkäufe dauerhaft wiederholen. Dabei wollte sie Gewinne erzielen, denn sie gab selbst zu, dass sie für die Gegenstände gar keinen Platz hatte.

Das Interessante und Neue an der Argumentation des Finanzgerichts: Dass die Verkäuferin kein Ladenlokal unterhielt, war unerheblich. Vielmehr sei das für den überregionalen Versandhandel, insbesondere den Internethandel wesenstypisch und das Ladenlokal verliere immer mehr an Bedeutung. Ein neuer Aspekt, auf den sich eBay-Verkäufer künftig einstellen sollten. Die Verkäuferin in dem Urteil sieht das jedenfalls anders – und hat Revision bei Bundesfinanzhof eingelegt (Aktenzeichen: X R 26/18).

Warum das alles?

Warum aber ist das so wichtig für die Frau und für sämtlich eBay-Verkäufer? Weil die Gewerbsmäßigkeit erhebliche Folgen – finanzieller und administrativer Art – hat. Denn wer zum gewerblichen Onlinehändler wird, hat folgende To-Do´s:

  • Zum Finanz- und zum Gewerbeamt gehen und ein Unternehmen bzw. ein Gewerbe anmelden.
  • Einkommen-, Gewerbe- und Umsatzsteuer zahlen, sofern man nicht unter den entsprechenden (Grund-)Freibeträgen bzw. der Kleinunternehmergrenze bleibt (oder nicht von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch macht).
  • Auf der eBay-Angebotsseite über alle erforderlichen Firmendaten und Versandkosten informieren.
  • Dem Verkäufer ein Widerrufsrecht einräumen und ihn ordnungsgemäß darüber belehren.
  • Dem Käufer Gewährleistungsrechte (wie Schadensersatz oder Nacherfüllung) einräumen.
  • Das geltende Marken- und Wettbewerbsrecht einhalten, also z.B. bei Werbung und Verwendung von Bildern oder Namen genau aufpassen.
  • Ein Impressum auf der Angebotsseite einstellen.

Wie Sie sehen, sollten Sie hier ganz genau aufpassen, dass Sie Ihre Aktivitäten nicht ausarten lassen, wenn Sie den Aufwand und die mitunter sehr hohen Steuerzahlungen vermeiden wollen.

Fazit: Einen klaren Fahrplan „Was muss ich tun, um Privatverkäufer zu bleiben?“ können wir Ihnen leider nicht an die Hand geben. Wie der Fall des FG Hessen zeigt, sind das nur Indizien, an denen man sich entlanghangeln kann – und es kann dem Finanzgericht auch immer mal ein neues Indiz einfallen, das am Ende den Ausschlag gibt. Hier können wir nur raten:

  • Schauen Sie sich zunächst den Kriterienkatalog an und prüfen Sie die Punkte gedanklich für Sie ab.
  • Ziehen Sie vergleichbare Fälle heran. Lesen Sie dazu auch unseren Blogartikel „Ab wann bin ich gewerblicher Verkäufer bei eBay? “.
  • Holen Sie sich am besten Unterstützung von einem auf Onlinehandel spezialisierten felix1.de-Steuerberater.