FAQ: Kann ein Wechsel von der Bilanz zur EÜR erfolgen?

FAQ: Kann ein Wechsel von der Bilanz zur EÜR erfolgen

Ein Wechsel von einer zur anderen Gewinnermittlungsart ist nicht selten: Der eine Unternehmer wechselt, weil er eine bestimmte Umsatzgrenze über- oder unterschreitet, der andere, weil ein Wechsel für ihn Vorteile bietet. Wir erklären, wann und wie ein Wechsel von der Bilanz zur EÜR möglich ist.

Wer ist bilanzierungspflichtig?

Eine Bilanzierungspflicht besteht für Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, UG) und für bestimmte Personengesellschaften (z.B. OHG) – sie haben keine Wahl. Freiberufler dürfen dagegen immer zwischen Bilanz und EÜR wählen. Und für alle anderen gilt: Wer bestimmte Gewinn- und Umsatzgrenzen überschreitet, muss eine Bilanz erstellen.

Diese Grenzen wurde zum 1.1.2016 angehoben: Von 50.000 Euro Jahresgewinn oder 500.000 Jahresumsatz auf 60.000 Euro Gewinn oder 600.000 Euro Umsatz. Das hat für viele Unternehmer plötzlich zur Folge, dass sie nicht mehr bilanzieren müssen. Wer beispielsweise einen Gewinn von 55.000 Euro und einen Umsatz von 450.000 Euro hat, darf auf einmal eine EÜR erstellen.

Kann der Wechsel von der Bilanz zur EÜR sofort erfolgen?

Bedeutet das nun aber, dass Sie in diesem Fall Ihre doppelte Buchführung sofort auf einfache Buchführung umstellen können? Leider nein. Eine „Sofortwirkung“ hat das Unterschreiten der Grenze nicht: Vielmehr besagt das Gesetz, dass die Pflicht zu bilanzieren erst im übernächsten Jahr nach der Feststellung des Finanzamtes endet, dass nicht mehr bilanziert werden muss. Beispiel: Werden in 2016 die Grenzen unterschritten, kann 2018 zum ersten Mal auf die EÜR umgestellt werden.

Dass ein Wechsel von der Bilanz zur EÜR nicht von heute auf morgen möglich ist, macht auch Sinn: Denn die Gewinnermittlungsarten sind in einigen Punkten grundlegend verschieden. Bei der EÜR gilt z.B. das strenge Zufluss-Abfluss-Prinzip. Hiernach kommt es für Zahlungsein- und -ausgänge auf den Zeitpunkt der Leistung an, während bei der Bilanz der Zeitpunkt der Rechnungstellung entscheidend ist. Um diese Unterschiede auszugleichen, ist z.B. ein Übergangsgewinn zu bilden, der Teil der Steuererklärung ist.

Achtung: Die Ermittlung des Übergangsgewinns ist sehr komplex. An dieser Stelle kann es zu hohen Steuernachzahlungen können.

 

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Annika Haucke

Rechtsanwältin bei felix1.de
Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.
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Rechtliche und steuerliche Themen – spricht man sie an, folgt nicht selten ein Gähnen beim Gegenüber. Ich versuche diese Themen in meinen Texten so zu verpacken, dass sie jeder versteht und es einfach mehr Spaß macht, sie zu lesen.