Bareinzahlungen auf das Geschäftskonto sind ein gefundenes Fressen für Betriebsprüfer

Bareinzahlungen-auf-GeschäftskontoEine neue Entscheidung des Finanzgerichts Hamburg sollten sich Selbstständige zu Herzen nehmen. Zahlen sie Bargeld auf ihr Geschäftskonto ein, ohne nachweisen zu können, woher das Geld stammt, drohen hohe Steuernachzahlungen.   

Dieses Schicksal ereilte eine Selbstständige aus der Finanz- und Unternehmensberatung. Im Rahmen einer Betriebsprüfung fiel den Beamten unter anderem auf, dass die Unternehmerin in den drei Streitjahren extrem viel Bargeld auf das Geschäftskonto eingezahlt hatte. Deshalb forderte der Fiskus rund 80.000 Euro Steuernachzahlung von ihr.

Finanzamt darf Mehreinnahmen schätzen

Weil die Frau die Steuern nicht beglich, pfändete das zuständige Finanzamt ihr Konto. Dagegen zog sie vor Gericht. Das Finanzgericht Hamburg (Urteil vom 18.7.2016, Az. 6 V 84/16) kam der Unternehmerin insoweit entgegen, als es den zu zahlenden Steuerbetrag auf rund die Hälfte reduzierte. Ansonsten aber gaben die Richter den Finanzbeamten Recht, die die Mehreinnahmen der Unternehmerin einfach geschätzt hatten.  Dazu, so das Gericht, ist das Finanzamt berechtigt, wenn der Steuerpflichtige über seine Bareinzahlungen keine ausreichende Erklärung abgibt.

Bei Bareinzahlungen muss Steuerpflichtiger mitwirken

Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ist der Steuerpflichtige bei ungeklärten Bareinzahlungen auf betriebliche Konten oder in die Kasse verstärkt zur Sachverhaltsaufklärung verpflichtet. Begründung: der Steuerpflichtige habe mit den Bareinzahlungen ja selbst die Verbindung zwischen Privat- und Betriebsvermögen hergestellt. Bei Verletzung dieser Mitwirkungspflicht kann das Finanzamt von weiterer Sachaufklärung absehen. Es darf dann mit dem Segen der Justiz annehmen, dass unaufgeklärte Barzahlungen auf nicht versteuerten Einnahmen beruhen.

Privates bleibt nicht immer privat

Das Gericht warf der Selbstständigen denn auch im Streitfall vor, die ihr für das Unternehmen zur Verfügung stehenden liquiden Mittel nicht nach den Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Buchführung erfasst zu haben. Insbesondere habe sie nicht erläutert, woher die finanziellen Mittel stammten. Die Steuerpflichtige hatte lediglich behauptet, dass es sich hierbei um private Barmittel gehandelt haben soll. Dies ist laut Richterspruch nicht ausreichend. Werden Bareinzahlungen auf ein betriebliches Bankkonto vorgenommen, muss der Steuerpflichtige, unabhängig von der Art seiner Gewinnermittlung, erläutern, woher die Mittel für diese Einzahlungen kommen. Diese Nachweispflicht gilt allerdings nicht bei Einzahlungen auf ein privates Konto.

Was zu tun ist

Grenzen Sie deshalb als selbstständiger Unternehmer das für Ihren Betrieb zur Verfügung stehende Geldvermögen vom privaten Geldvermögen strikt ab.

  • Halten Sie die flüssigen Mittel des Betriebes in einem Kassenbuch fest. Schreiben Sie darin auf, wann Bargeld entnommen oder eingezahlt wurde.
  • Führen Sie neben dem betrieblichen ein zusätzliches privates Konto. Auf diese Weise lässt sich Privates von Geschäftlichem sauber trennen.
  • Das muss dann auch konsequent gelebt werden. Wer dennoch private Zahlungen vom betrieblichen Konto leistet, darf sich nicht wundern, wenn die Betriebsprüfer misstrauisch werden.

 

Janine Krummrich

Janine Krummrich

Steuerberaterin bei felix1.de
Janine Krummrich ist Steuerberaterin bei der felix1.de-Niederlassung in Sömmerda.
Janine Krummrich