Auto: Leasingsonderzahlung lohnt sich immer noch

Autoschlüssel

Einen Firmenwagen leasen, eine Leasingsonderzahlung vereinbaren und die Privatnutzung nach der 1%-Methode versteuern: Für viele Unternehmer ist dies ein lohnenswertes Modell gegenüber dem Kauf eines Pkw. Gerade wegen der sogenannten Kostendeckelung ließen sich für Einnahmen-Überschuss-Rechner durch eine Leasingsonderzahlung nochmal extra Steuern sparen. Doch diesem Modell schiebt die Finanzverwaltung nun einen Riegel vor. Wir verraten, warum sich die Leasingsonderzahlung trotzdem noch lohnt.

Finanzverwaltung macht Schluss mit dem Steuersparmodell

Mit dem genannten Steuersparmodell konnte man bisher als Einnahmen-Überschuss-Rechner durch die Kostendeckelung den Gewinn nach der 1-%-Methode drücken und dadurch insgesamt Steuern sparen. Doch das ist jetzt anders.

Denn wird die Kostendeckelungsregelung angewendet, müssen alle Gesamtkosten eines KfZ für einen Nutzungszeitraum ermittelt werden. Dabei müssen Leasingsonderzahlungen nunmehr periodengerecht auf die jeweiligen Nutzungszeiträume verteilt werden. So stellte es zuletzt die Finanzbehörde Hamburg in ihrer Fach-Info vom 8. November 2018 für den Fall klar, dass eine Leasingsonderzahlung für einen Zeitraum von nicht mehr als fünf Jahren geleistet wird.

Kostendeckelung vor und nach der Klarstellung durch die Finanzverwaltung

Wie das Modell in der Vergangenheit funktioniert hat und wie sich das Vorgehen der Finanzverwaltung auf diese Fälle auswirkt, schauen wir uns anhand eines Beispielsfalls an:

Ein Vermögensberater (Einnahmen-Überschuss-Rechner) möchte sich einen Firmenwagen anschaffen und entscheidet sich im Dezember 2018, einen Wagen zum Bruttolistenpreis von 80.000 Euro zu leasen. Er nutzt ihn zu mehr als 50 Prozent betrieblich, möchte aber kein Fahrtenbuch führen. Der Leasingvertrag wird über drei Jahre geschlossen, bereits im Dezember 2018 leistet er eine Leasingsonderzahlung von 15.000 Euro. Während der Leasingzeit zahlt er eine Leasingrate von 400 Euro monatlich, hinzu kommen 100 Euro laufende Pkw-Kosten im Monat.

Bisherige Berechnung:

Nach dem Steuersparmodell für Einnahmen-Überschuss-Rechner galt: Die Leasingsonderzahlung darf im Jahr der Zahlung in voller Höhe als Betriebsausgabe abgezogen werden. Für die folgenden Jahre gilt: Die Privatnutzung wurde nach der 1%-Methode besteuert, jedoch waren die danach ermittelten Kosten nach oben hin gedeckelt. So dürfen diese die tatsächlichen Aufwendungen des Steuerpflichtigen nicht übersteigen.

Dies bedeutet für unseren Beispielsfall:

Dezember 2018:

Betriebsausgaben:

  • 15.000 Euro Leasingsonderzahlung
  • 400 Euro Leasingrate im Dezember
  • 100 Euro laufende Kosten im Dezember
  • –> 15.500 Euro

Betriebseinnahmen:

800 Euro Privatnutzung nach 1-%-Methode (1% von 80.000 Euro Bruttolistenpreis)

Jahr 2019

Betriebsausgaben:

  • 400 Euro Leasingrate * 12 Monate
  • 100 Euro laufende Kosten * 12 Monate
  • –> 6.000 Euro

Betriebseinnahmen:

  • 800 Euro Privatnutzung nach 1-%-Methode * 12 Monate = 9.600 Euro
  • –> Deckelung der Privatnutzung auf 6.000 Euro

Zwischenergebnis: Dadurch, dass der Vermögensberater die hohen Leasingraten mit der Leasingsonderzahlung vorziehen konnte und ab 2019 die Kostendeckelung zur Anwendung kam, konnte er die steuerpflichtigen Einnahmen in 2019 um 3.600 Euro senken.

Berechnung nach der neuen Praxis der Finanzverwaltung:

Grundsätzlich lässt die Finanzverwaltung die Kostendeckelung weiter zu – mit einem entscheidenden Unterschied: Die Leasingsonderzahlung muss nun periodengerecht auf die drei Jahre verteilt werden, wenn die Berechnungsgrundlage für die Kostendeckelung ermittelt wird. Für unseren Beispielsfall hat das gravierende Folgen:

Dezember 2018:

Hier ändert sich nichts. Für 2019 dagegen ergibt sich nun folgendes Bild:

Jahr 2019

Betriebsausgaben:

  • 400 Euro Leasingrate * 12 Monate
  • 100 Euro laufende Kosten * 12 Monate
  • –> 6.000 Euro

Betriebseinnahmen:

  • 800 Euro Privatnutzung nach 1-%-Methode * 12 Monate = 9.600 Euro

Kostendeckelung:

  • Achtung: Hier muss nun in die Gesamtkosten die Leasingsonderzahlung miteinberechnet werden. Da der Leasingzeitraum drei Jahre beträgt, muss ein Drittel der Zahlung auf die Gesamtkosten aufgeschlagen werden. Ein Drittel von 15.000 Euro = 5.000 Euro. Somit belaufen sich die für die Kostendeckelung relevanten Gesamtkosten auf 6.000 Euro + 5.000 Euro = 11.000 Euro
  • –> Es bleibt somit bei einer Privatnutzung nach der 1%-Methode von 9.600 Euro.

Fazit für das Beispiel: Die Kostendeckelungsregelung hat nunmehr für den Vermögensberater keinen Vorteil mehr. Er muss jetzt jährlich 3.600 Euro mehr versteuern.

Empfehlung: Der Vermögensberater sollte in diesem Fall ein Fahrtenbuch führen. Grund: Die Gesamtkosten betragen in den drei Jahren 33.000 Euro. Nach der 1-%-Methode ergibt sich eine Privatnutzung von 28.800 Euro. Da die betriebliche Nutzung aber bei über 50 % liegt, würde nach der Fahrtenbuchmetode der Anteil der Privatnutzung bei maximal 16.500 Euro liegen und demnach deutlich geringer sein als nach der 1%-Methode. Der Aufwand, ein Fahrtenbuch zu führen, würde sich also lohnen.  

Warum sich die Leasingsondervorauszahlung trotzdem noch lohnt

Das Ergebnis der neuen Verwaltungspraxis mag für viele bitter sein. Und doch ist das kein Grund, künftig vom Leasingmodell mit Leasingsonderzahlung Abstand zu nehmen. Denn nach wie vor bleibt Einnahmen-Überschuss-Rechnern die Möglichkeit, die Leasingsonderzahlung direkt und in voller Höhe als Betriebsausgabe abzuziehen. Und das lohnt sich in vielen Fälle immer noch: Denn gerade wenn Unternehmer im Jahr der Anschaffung des Firmenwagens hohe Betriebseinnahmen hatten, können Sie durch ein solches Modell geschickt die Betriebseinnahmen senken und dadurch hohe Steuerzahlungen minimieren.

Fazit: Auch wenn die Finanzverwaltung bei der Kostendeckelung künftig den Rotstift ansetzen wird – prüfen Sie trotzdem, ob sich in Ihrem Fall das Modell „Firmenwagen leasen und Sonderzahlung vereinbaren“ lohnen könnte. 

Luba Fischer

Steuerberaterin bei felix1.de
Luba Fischer ist Steuerberaterin bei der felix1.de-Niederlassung in Frankfurt am Main.
Luba Fischer