Achtung Unternehmer: Wann sind Luxuswagen angemessen?

Hand an der Autotür eines LuxuswagensWer mit seinem Unternehmen Erfolg hat, zeigt das gerne. Der eine leistet sich eine große Villa, der andere eine teure Uhr, wieder andere einen schnittigen Sportwagen. Kaufen dürfen Sie sich, was Sie wollen – nur ob Sie die entsprechenden Kosten auch steuerlich unterbringen können, ist nicht garantiert. Denn das Finanzamt akzeptiert als Betriebsausgaben nur angemessene Aufwendungen. Und um die Angemessenheit lässt sich trefflich streiten, wie ein aktueller Fall des Bundesfinanzhofs zeigt.

Der Fall: Drei neue Autos für fast 1 Million Euro

Eine Unternehmerin verdiente ihr Geld mit der Vermittlung von Finanzanlagen. Ihre gewerblichen Einkünfte betrugen um die 100.000 Euro pro Jahr. Neben einem SUV (Kaufpreis 120.000 Euro) plante sie die Anschaffung eines Ferrari Sportwagens für 450.000 Euro und einer Limousine für 400.000 Euro für ihr Unternehmen. Dafür machte sie eine Ansparabschreibung (der Vorgänger des Investitionsabzugsbetrags) von insgesamt rund 300.000 Euro in der Steuererklärung geltend.

Zumindest für den Ferrari und die Limousine lehnte das Finanzamt die Ansparabschreibung jedoch ab. Denn es hielt die Aufwendungen insoweit für unangemessen.

Wann ein Luxuswagen angemessen sein kann

Das Gesetz enthält ein Abzugsverbot für „Aufwendungen, die die Lebensführung des Steuerpflichtigen oder anderer Personen berühren, soweit sie nach allgemeiner Verkehrsauffassung als unangemessen anzusehen sind“. Insbesondere soll damit verhindert werden, dass Unternehmer einen unangemessenen betrieblichen Repräsentationsaufwand gewinnmindernd in der Steuererklärung unterbringen können.

Ob ein solcher unangemessener betrieblicher Repräsentationsaufwand vorliegt, hängt zum einen davon ab, ob ein ordentlicher und gewissenhafter Unternehmer angesichts der erwarteten Vorteile und Kosten die Aufwendungen ebenfalls auf sich genommen hätte.

Zum anderen sind bei der Prüfung der Angemessenheit die Umstände des Einzelfalls ausschlaggebend:

  • Größe des Unternehmens
  • Höhe des längerfristigen Umsatzes und des Gewinns
  • Bedeutung des Repräsentationsaufwands für den Geschäftserfolg nach der Art der ausgeübten Tätigkeit und seine Üblichkeit in vergleichbaren Betrieben
  • Berührung mit der privaten Lebensführung des Steuerpflichtigen

Deshalb kann es je nach Fall sein, dass die Anschaffung eines teuren und schnellen Sportflitzers angemessen ist, zum Beispiel wenn die Benutzung eines repräsentativen Fahrzeugs für den Geschäftserfolg eine Bedeutung hat.

Entscheidung des Bundesfinanzhofs: Drei Autos braucht kein Mensch

Im vorliegenden Fall jedoch hielten die obersten Steuerrichter die Anschaffung des Ferrari und der Limousine für unangemessen.

Zum einen hatte die Unternehmerin gar keine Mitarbeiter, die diese Autos hätten mitbenutzen können. Warum also gleich drei Autos? Für eine Person war das jedenfalls unangemessen.

Zum anderen: Die Anschaffung von drei Autos im Wert von fast 1 Million Euro stand in keinem vernünftigen Verhältnis zu den jährlichen Einkünften von 100.000 Euro. Ein ordentlicher und gewissenhafter Unternehmer hätte eine solche Investition nicht getätigt.

Darüber hinaus waren, während das Unternehmen bestand, keine Repräsentationsaufwendungen angefallen. Das Gericht ging deshalb davon aus, dass Repräsentationsaufwendungen für den Geschäftserfolg nicht besonders bedeutsam gewesen sind.

Damit blieben die Anschaffungskosten für den Ferrari und die Limousine vom Abzug als Betriebsausgaben ausgeschlossen (Bundesfinanzhof, Urteil vom 10.10.2017, X R 33/16).

Investitionsabzugsbetrag: Angemessenheit spielt keine Rolle

Das Urteil erging zu dem Vorgänger des Investitionsabzugsbetrags, der Ansparabschreibung. Die beiden ähneln sich zwar, unterscheiden sich jedoch in einem ganz wichtigen Punkt: Beim Investitionsabzugsbetrag ist es nicht erforderlich, dass das Wirtschaftsgut, das angeschafft werden soll, bezeichnet wird.

Das bedeutet, dass Sie in Ihrer Steuererklärung Investitionsabzugsbeträge geltend machen können, ohne weitere Angaben machen zu müssen. Sie müssen sich noch nicht einmal entschieden haben, welche Investition Sie genau tätigen wollen. Das Finanzamt kann von Ihnen auch nicht verlangen, dass Sie das anzuschaffende Wirtschaftsgut benennen – dafür gibt es keine Rechtsgrundlage.

Bei der Bildung des Investitionsabzugsbetrags ist infolgedessen nicht zu beachten, ob die Aufwendungen angemessen sind.

Erst wenn Sie das Wirtschaftsgut tatsächlich anschaffen, müssen Sie damit rechnen, dass die Angemessenheit geprüft wird.

Praxistipp: Weniger ist mehr

Die Unternehmerin durfte in dem entschiedenen Fall von den Kosten der beiden Luxusschlitten gar nichts gewinnmindernd ansetzen. Gegen „aufwändigere Modelle gängiger Marken der Oberklasse (BMW und Mercedes-Benz)“ hatte der Bundesfinanzhof in einem anderen Fall jedoch keine Einwände gehabt. Tipp: Lassen Sie sich am besten im Vorhinein beraten, wenn Sie ein neues Auto für Ihr Unternehmen anschaffen wollen.

Jana Schubert

Jana Schubert

Steuerberaterin bei felix1.de
Jana Schubert ist Steuerberaterin bei der felix1.de-Niederlassung in Ribnitz-Damgarten.
Jana Schubert

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